Funchal
Etappe 1 von 11 · Anreise per Flug
Madeira ist klein genug, dass eine Unterkunft reicht. Von Ost nach West fährt man etwa eine Stunde, und deshalb haben wir uns eine Wohnung im Westen von Funchal genommen und sie neun Nächte lang behalten.
Angekommen sind wir einen Tag später als geplant. Der Hinflug ab Düsseldorf hatte Verspätung, der Anschluss in Lissabon war weg, und die Nacht haben wir in einem Hotel verbracht, das die Fluggesellschaft gestellt hat – zusammen mit vier anderen Gestrandeten, die später noch wichtig werden. Der erste Tag auf der Insel war entsprechend ein angebrochener: mittags gelandet, Mietwagen geholt, und an Programm nur noch das CR7-Museum an der Marina geschafft. Alles Weitere hat sich danach nach Wetter sortiert – jeden Abend auf dem Balkon geplant, jeden Morgen losgefahren.
Was nicht auf der Insel verteilt lag, sondern hier stattfand, waren die Abende. Die Zona Velha mit der bemalten Rua de Santa Maria ist der Ort, an dem diese Woche fast jeden Tag geendet hat: Bolo do Caco, Poncha in allen Abwandlungen, und mehr als einmal etwas länger als vorgesehen.
Drei Programmpunkte gehören ebenfalls direkt zu Funchal. Das Whale Watching, das statt Walen Delfine geliefert hat und Max seine erste Seekrankheit. Die Madeirawein-Probe mit Clara und Luca, bei der die Erklärung deutlich besser war als der erste Schluck. Und der Tag, an dem sich die Gruppe geteilt hat: Rebecca und Clara shoppen, Max und Luca im Neoprenanzug beim Canyoning.
Die letzte Nacht haben wir nicht mehr in der Wohnung verbracht – der Rückflug ging um kurz nach zwei Uhr morgens.
Apartment in Funchal
Unterkunft
- Art
- Airbnb
- Wann
- 1. – 10. Oktober 2024
- Nächte
- 9
- Zimmer
- Privatzimmer
Wir haben die kompletten neun Nächte in derselben Wohnung geschlafen, in einem mehrstöckigen Haus im Westen von Funchal, ein gutes Stück außerhalb des Zentrums.
Es war kein Hotelzimmer, sondern eine kleine eigene Wohnung: ein Schlafzimmer, eine kleine Küche, ein eigenes Bad – alles sehr sauber und neuwertig – und ein Balkon. Genau dieser Balkon ist zum wichtigsten Teil der Unterkunft geworden. Wir haben dort jeden Abend gesessen und den nächsten Tag geplant, was auf Madeira mehr Aufwand ist als anderswo: Auf sechzig Kilometern Länge ist das Wetter an fünf Stellen gleichzeitig unterschiedlich, und wohin man morgens fährt, entscheidet man am besten am Vorabend.
Dass eine Unterkunft für die ganze Insel reicht, war die richtige Entscheidung. Von Ost nach West braucht man mit dem Auto etwa eine Stunde – Umziehen lohnt hier schlicht nicht.
Hat uns gefallen
- Eigene Wohnung mit Küche statt Hotelzimmer
- Sehr sauber und neuwertig ausgestattet
- Balkon, auf dem sich abends der nächste Tag planen ließ
- Neun Nächte an einem Ort – auf einer so kleinen Insel reicht eine Unterkunft völlig
Weniger gut
- Ein gutes Stück vom Zentrum entfernt, ohne Auto unpraktisch
Gemeinschaftsküche · WLAN
CR7-Museum in Funchal
Aktivität
- Wann
- 1. Oktober 2024
- Start
- 13:25 Uhr
- Dauer
- 1 Std.
Cristiano Ronaldo ist auf Madeira geboren, und die Insel macht daraus, was sich daraus machen lässt: Der Flughafen trägt seinen Namen, an der Marina von Funchal steht sein Museum, und davor eine Statue.
Wir waren gleich am Ankunftstag dort, weil wir nach der Nacht in Lissabon ohnehin erst mittags in Funchal angekommen sind und kein größeres Programm mehr schaffen konnten. Drinnen hängt und steht im Wesentlichen alles, was er in seiner Laufbahn gewonnen hat, dicht an dicht.
Es ist keine Sehenswürdigkeit, für die man auf die Insel fliegt. Als erster, lockerer Programmpunkt an einem angebrochenen Tag war es genau richtig.
Gut zu wissen
- Liegt direkt an der Marina, gut mit einem Stadtbummel zu verbinden
- Eine Stunde reicht, auch wenn man Fußball mag
Die Zona Velha von Funchal
Aktivität
Funchal ist mit gut hunderttausend Einwohnern für Inselverhältnisse eine richtige Stadt, und ihr ältester Teil, die Zona Velha, liegt östlich vom Zentrum am Wasser.
Das Bekannteste dort ist die Rua de Santa Maria: Vor einigen Jahren wurden die Türen der heruntergekommenen Häuser dieser Gasse von Künstlern bemalt, und daraus ist eine durchgehende Galerie geworden, an der man entlangläuft. Heute sitzt in fast jedem Erdgeschoss eine Bar oder ein Lokal.
Für uns war das der Fixpunkt der Woche. Wir haben zwar westlich vom Zentrum gewohnt, aber die Abende sind fast alle hier gelandet – zum Essen, zur Poncha, und am letzten Abend noch einmal mit Clara und Luca, bevor die beiden zum Flughafen mussten.
Gut zu wissen
- Die Rua de Santa Maria abends laufen, dann sind die bemalten Türen beleuchtet
- Der Mercado dos Lavradores lohnt sich vormittags, nicht nachmittags
Poncha und Bolo do Caco
Aktivität
Wer beides einmal probiert hat, bestellt es den Rest der Woche.
Zwei Dinge sind uns von Madeira kulinarisch geblieben, und beide sind vollkommen unspektakulär.
Das erste ist Bolo do Caco, das Nationalbrot der Insel: ein flaches, weiches Süßkartoffelbrot, das auf einem heißen Stein gebacken wird. Es kommt zu allem dazu, meistens mit Knoblauchbutter, oft aber auch belegt – mit getrockneter Tomate, mit Fleisch, mit dem, was da ist. Am Ende der Woche haben wir es fast täglich gegessen, zuletzt auch bei der „Casa do Bolo do Caco“ in der Altstadt.
Das zweite ist die Poncha, das Getränk der Insel: Rum aus Zuckerrohr, dazu Honig und Zitronensaft. Die traditionelle Variante hat uns anfangs nicht überzeugt – sie ist ziemlich direkt. Dann haben wir mit dem „Rei da Poncha“ eine kleine Bar in der Altstadt gefunden, in der es die Poncha in vielen Abwandlungen gab, mit Orange und anderen Säften, und ab da war das Thema gegessen. An dem einen oder anderen Abend vielleicht etwas gründlicher, als geplant war.
Dazu Pastéis de Nata als Nachtisch, aber die sind portugiesisch und nicht madeirisch. Gut sind sie trotzdem.
Gut zu wissen
- Bolo do Caco am besten mit Knoblauchbutter, das ist die Standardvariante
- Die traditionelle Poncha ist nur Rum, Honig und Zitrone und schmeckt entsprechend ruppig
- Bars mit vielen Sorten machen es zugänglicher – und gefährlicher
Whale Watching ab Funchal
Aktivität
Schöne Fahrt an der Küste entlang – aber Wale sind eine Hoffnung, keine Zusage.
- Wann
- 7. Oktober 2024
- Start
- 08:30 Uhr
- Dauer
- 3,5 Std.
- Preis
- 45 € p. P.
Vom Hafen in Funchal fahren mehrmals täglich Boote hinaus, offiziell zum Whale Watching. Wir haben rund 45 Euro pro Person bezahlt und sind vormittags mitgefahren.
Gesehen haben wir Delfine. Viele, und aus kurzer Entfernung – aber eben Delfine.
Max
Ich behaupte bis heute, dass das einfach nur etwas größere Delfine waren. Wale waren jedenfalls nicht dabei. Dazu bin ich auf dieser Fahrt zum ersten Mal in meinem Leben seekrank geworden, und das war deutlich weniger lustig als der Rest der Woche.
Unabhängig davon war die Fahrt schön. Man sieht die Südküste von der Seite, von der man sie sonst nicht sieht, und auf dem Rückweg ging es an Câmara de Lobos vorbei – dem Fischerdorf westlich von Funchal, das vom Wasser aus deutlich besser aussieht als von der Straße.
Wer Wale garantiert sehen will, sollte hier nicht buchen. Wer eine gute Bootsfahrt will, schon.
Gut zu wissen
- Der Anbieter sagt es selbst – gesehen wird, was da ist
- Auf der Rückfahrt geht es an Câmara de Lobos vorbei – von See aus die bessere Ansicht
Eingepackt
- Etwas gegen Seekrankheit, auch wenn man sich für seefest hält
- Windjacke, draußen ist es deutlich kühler als im Hafen
Câmara de Lobos
Aktivität
- Wann
- 7. Oktober 2024
Câmara de Lobos liegt knapp zehn Kilometer westlich von Funchal und gilt als Ursprungsort der Poncha. Im Plan stand ein eigener Nachmittag dafür.
Daraus geworden ist am Ende ein Vorbeifahren: Auf dem Rückweg vom Whale Watching hat das Boot die Bucht passiert, und wir haben den Ort von See aus gesehen – die bunten Fischerboote im Hafen, die Häuser gestaffelt am Hang darüber. Das ist ehrlicherweise die schönere Perspektive.
An Land waren wir nie. Von allen Punkten, die auf dieser Insel liegen geblieben sind, ist das der, der uns am ehesten fehlt.
Gut zu wissen
- Vom Wasser aus sieht der Ort besser aus als von der Durchgangsstraße
- Wer die Poncha an ihrem Ursprungsort trinken will, ist hier richtig
Madeirawein probieren
Aktivität
Man muss ihn nicht mögen – aber wie er entsteht, ist die interessanteste Geschichte der Insel.
- Wann
- 8. Oktober 2024
- Dauer
- 1,5 Std.
Madeirawein hatten wir vorher nie getrunken, und der erste Schluck war eine Enttäuschung.
Max
Als ich den zum ersten Mal probiert habe, dachte ich ehrlich gesagt, das wäre Kümmerling. Das war nicht als Kompliment gemeint.
Interessant wurde es erst mit der Erklärung dazu. Bei Madeirawein wird nämlich ungefähr alles gemacht, was man beim Weinmachen sonst tunlichst unterlässt: Er wird über Monate erhitzt, er bekommt absichtlich Sauerstoff, und er wird mit Alkohol aufgespritet. Der Ursprung davon ist praktisch – auf den langen Schiffsreisen früherer Jahrhunderte hat der Wein in den Fässern in tropischer Hitze gestanden, und irgendwann hat man gemerkt, dass er dadurch nicht verdirbt, sondern besser wird. Seitdem macht man es absichtlich.
Wir haben die Führung an einem Nachmittag mit Clara und Luca bei der Kellerei H.M. Borges gemacht, zusammen mit dem, was man höflich als ausgiebige Verkostung bezeichnet. Im Fasslager steht auf einem der Fassböden handschriftlich der Jahrgang 1996. Zum Lieblingsgetränk ist Madeirawein bei uns nicht geworden. Zur besten Geschichte der Woche schon.
Gut zu wissen
- Erst die Führung, dann die Verkostung. Ohne Erklärung schmeckt er nur seltsam
- Nicht mit trockenem Weißwein rechnen, das wird nichts
Canyoning
Aktivität
Der actionreichste Programmpunkt einer ansonsten sehr entspannten Woche.
- Wann
- 8. Oktober 2024
- Dauer
- 4 Std.
- Schwierigkeit
- Mittel
Madeira ist voller Schluchten mit fließendem Wasser, und daraus hat sich eine kleine Canyoning-Szene entwickelt: abseilen, springen, rutschen, sich das Bachbett hinunterarbeiten.
An einem Tag hat sich die Gruppe deshalb geteilt. Rebecca und Clara sind shoppen gegangen, und Max und Luca haben sich mit einer Handvoll völlig fremder Leute in Neoprenanzüge gequetscht.
Es war der einzige Programmpunkt der Woche, bei dem es nicht um Aussicht ging, sondern darum, etwas zu machen – und nach sechs Tagen Wandern, Fahren und Gucken hat das ausgesprochen gut getan.
Wo genau die Schlucht war, wissen wir nicht mehr; die Fotos davon sind ohne Ortsangabe von den anderen Handys zu uns gekommen. Was bleibt, ist, dass es der Tag mit dem meisten Gelächter war.
Gut zu wissen
- Neoprenanzug, Helm und Gurt stellt der Anbieter
- Man muss nicht besonders sportlich sein, aber schwimmen können hilft
Eingepackt
- Badesachen unter der Kleidung, umgezogen wird vor Ort
- Handtuch und trockene Sachen fürs Auto
- Nichts Empfindliches mitnehmen, alles wird nass