Max & Rebecca

Madeira

Ein verpasster Flug und vier neue Leute

30. September – 11. Oktober 2024, 12 Tage

11 Etappen, 1 Unterkunft

Max und Rebecca lächeln in die Kamera, dahinter geht am Pico do Arieiro die Sonne über einem geschlossenen Wolkenmeer auf

Madeira ist die einzige unserer Reisen, die aus einer Präsentation entstanden ist. Wir hatten uns im Wohnzimmer gegenseitig Reiseziele gepitcht – jeder mit einer eigenen Folienstrecke, ernsthaft vorbereitet. Rebeccas Pitch war der bessere, und deshalb wurde es Madeira. Gebucht haben wir noch am selben Abend.

Losgegangen ist es dann mit einer Panne. Der Hinflug hatte Verspätung, der Anschluss in Lissabon war weg, und wir standen ratlos am Flughafen. In derselben Lage steckten noch andere, und in dieser Traube haben wir Mara und Nico sowie Clara und Luca kennengelernt. Am nächsten Morgen ging jeder seiner Wege – bis wir uns auf Madeira so oft zufällig wiedergetroffen haben, dass irgendwann der naheliegende Vorschlag kam, es gleich zusammen zu machen. Rückblickend ist der verpasste Flug das Beste, was dieser Reise passieren konnte.

Sechs Personen posieren lächelnd vor einem schmalen, hohen Wasserfall in einer Felsschlucht
Zu sechst, bei den 25 Fontes.

Die Insel selbst ist klein, und das prägt alles. Von der Ostspitze bis in den Nordwesten fährt man eine gute Stunde, also braucht es genau eine Unterkunft und einen Mietwagen. Wir hatten eine Wohnung im Westen von Funchal mit einem Balkon, auf dem wir jeden Abend den nächsten Tag geplant haben – was hier mehr Aufwand ist als anderswo: Auf sechzig Kilometern Länge liegen ein Zentralmassiv über 1.800 Metern, eine trockene Ostspitze und eine Nordküste, die fast dauerhaft in Wolken hängt. Wohin man morgens fährt, entscheidet das Wetter, nicht die Liste.

Was daraus geworden ist, waren zwölf sehr unterschiedliche Tage. Die kahle Ponta de São Lourenço, die aussieht wie ein anderer Kontinent. Die Levadas bei Rabaçal mit den 25 Fontes und der Naturdusche, für die alle anstehen. Schwarzer Sand in Seixal und Lavabecken in Porto Moniz. Die uralten Bäume von Fanal, für die wir zweimal hingefahren sind, weil es beim ersten Mal keinen Nebel gab. Ein Küstenweg bei Porto da Cruz, den Luca im Internet gefunden hatte und der in keinem Reiseführer stand. Und zweimal der Pico do Arieiro – einmal nachts hinauf für den Sonnenaufgang, einmal nachmittags für den Sonnenuntergang.

Der Sonnenaufgang auf 1.818 Metern über einem geschlossenen Wolkenmeer ist der Moment, der geblieben ist. Die Auffahrt dorthin im Dunkeln ist der Teil, den wir nicht wiederholen müssen: eine enge Bergstraße, ein kleiner Mietwagen, dessen Lieblingsgang der zweite war, und über eine Stunde volle Konzentration.

Kulinarisch sind zwei Dinge hängen geblieben, beide unspektakulär: Bolo do Caco, das flache Süßkartoffelbrot vom heißen Stein, und die Poncha, das Rumgetränk der Insel. Die traditionelle Variante hat uns nicht überzeugt; dann haben wir in der Altstadt eine kleine Bar gefunden, in der es sie in einem Dutzend Abwandlungen gab, und ab da war es um uns geschehen.

Preislich war Madeira dabei erstaunlich entspannt. Und wenn wir eines anders machen würden, dann den PR1: Nach den Waldbränden vom August 2024, wenige Wochen vor unserer Reise, war ein Teil des Grats gesperrt, und die vielleicht bekannteste Wanderung der Insel ist deshalb ein Fragment geblieben.

Funchal

30. September – 11. Oktober 2024 · 10 Nächte · Funchal

Etappe 1 von 11 · Anreise per Flug

Madeira ist klein genug, dass eine Unterkunft reicht. Von Ost nach West fährt man etwa eine Stunde, und deshalb haben wir uns eine Wohnung im Westen von Funchal genommen und sie neun Nächte lang behalten.

Angekommen sind wir einen Tag später als geplant. Der Hinflug ab Düsseldorf hatte Verspätung, der Anschluss in Lissabon war weg, und die Nacht haben wir in einem Hotel verbracht, das die Fluggesellschaft gestellt hat – zusammen mit vier anderen Gestrandeten, die später noch wichtig werden. Der erste Tag auf der Insel war entsprechend ein angebrochener: mittags gelandet, Mietwagen geholt, und an Programm nur noch das CR7-Museum an der Marina geschafft. Alles Weitere hat sich danach nach Wetter sortiert – jeden Abend auf dem Balkon geplant, jeden Morgen losgefahren.

Goldene Ronaldo-Statue auf einem Sockel an der Marina von Funchal, dahinter der Hafen und bewaldete Hänge
Weinglas auf einem gekachelten Balkontisch, davor eine Sukkulente, dahinter die Dächer von Funchal im Abendlicht

Was nicht auf der Insel verteilt lag, sondern hier stattfand, waren die Abende. Die Zona Velha mit der bemalten Rua de Santa Maria ist der Ort, an dem diese Woche fast jeden Tag geendet hat: Bolo do Caco, Poncha in allen Abwandlungen, und mehr als einmal etwas länger als vorgesehen.

Blaue Holztür mit gemaltem Motiv einer Meerjungfrau auf einer Schaukel, darüber die Hausnummer 105

Drei Programmpunkte gehören ebenfalls direkt zu Funchal. Das Whale Watching, das statt Walen Delfine geliefert hat und Max seine erste Seekrankheit. Die Madeirawein-Probe mit Clara und Luca, bei der die Erklärung deutlich besser war als der erste Schluck. Und der Tag, an dem sich die Gruppe geteilt hat: Rebecca und Clara shoppen, Max und Luca im Neoprenanzug beim Canyoning.

Zwei Männer in Neoprenanzügen und roten Helmen stehen hüfttief im Wasser einer bewaldeten Schlucht und lächeln

Die letzte Nacht haben wir nicht mehr in der Wohnung verbracht – der Rückflug ging um kurz nach zwei Uhr morgens.

Nachts beleuchtetes Flugzeug mit Gangway auf dem Rollfeld, im Hintergrund die Lichter der Küste
Bewertung: 4,5 von 5
Art
Airbnb
Wann
1. – 10. Oktober 2024
Nächte
9
Zimmer
Privatzimmer

Wir haben die kompletten neun Nächte in derselben Wohnung geschlafen, in einem mehrstöckigen Haus im Westen von Funchal, ein gutes Stück außerhalb des Zentrums.

Es war kein Hotelzimmer, sondern eine kleine eigene Wohnung: ein Schlafzimmer, eine kleine Küche, ein eigenes Bad – alles sehr sauber und neuwertig – und ein Balkon. Genau dieser Balkon ist zum wichtigsten Teil der Unterkunft geworden. Wir haben dort jeden Abend gesessen und den nächsten Tag geplant, was auf Madeira mehr Aufwand ist als anderswo: Auf sechzig Kilometern Länge ist das Wetter an fünf Stellen gleichzeitig unterschiedlich, und wohin man morgens fährt, entscheidet man am besten am Vorabend.

Dass eine Unterkunft für die ganze Insel reicht, war die richtige Entscheidung. Von Ost nach West braucht man mit dem Auto etwa eine Stunde – Umziehen lohnt hier schlicht nicht.

Weinglas auf einem gekachelten Tisch auf dem Balkon, dahinter die Häuser von Funchal in der Abenddämmerung

Hat uns gefallen

  • Eigene Wohnung mit Küche statt Hotelzimmer
  • Sehr sauber und neuwertig ausgestattet
  • Balkon, auf dem sich abends der nächste Tag planen ließ
  • Neun Nächte an einem Ort – auf einer so kleinen Insel reicht eine Unterkunft völlig

Weniger gut

  • Ein gutes Stück vom Zentrum entfernt, ohne Auto unpraktisch

Gemeinschaftsküche · WLAN

Bewertung: 3,5 von 5
Wann
1. Oktober 2024
Start
13:25 Uhr
Dauer
1 Std.

Cristiano Ronaldo ist auf Madeira geboren, und die Insel macht daraus, was sich daraus machen lässt: Der Flughafen trägt seinen Namen, an der Marina von Funchal steht sein Museum, und davor eine Statue.

Wir waren gleich am Ankunftstag dort, weil wir nach der Nacht in Lissabon ohnehin erst mittags in Funchal angekommen sind und kein größeres Programm mehr schaffen konnten. Drinnen hängt und steht im Wesentlichen alles, was er in seiner Laufbahn gewonnen hat, dicht an dicht.

Es ist keine Sehenswürdigkeit, für die man auf die Insel fliegt. Als erster, lockerer Programmpunkt an einem angebrochenen Tag war es genau richtig.

Frau steht lächelnd neben einer bronzenen Cristiano-Ronaldo-Statue auf einem Sockel
Schriftzug „CR7 MUSEU“ an einer Glasfassade
Mann steht in einem Museumsraum zwischen Vitrinen mit Pokalen und einem Trikot

Gut zu wissen

  • Liegt direkt an der Marina, gut mit einem Stadtbummel zu verbinden
  • Eine Stunde reicht, auch wenn man Fußball mag
Bewertung: 4,5 von 5

Funchal ist mit gut hunderttausend Einwohnern für Inselverhältnisse eine richtige Stadt, und ihr ältester Teil, die Zona Velha, liegt östlich vom Zentrum am Wasser.

Das Bekannteste dort ist die Rua de Santa Maria: Vor einigen Jahren wurden die Türen der heruntergekommenen Häuser dieser Gasse von Künstlern bemalt, und daraus ist eine durchgehende Galerie geworden, an der man entlangläuft. Heute sitzt in fast jedem Erdgeschoss eine Bar oder ein Lokal.

Für uns war das der Fixpunkt der Woche. Wir haben zwar westlich vom Zentrum gewohnt, aber die Abende sind fast alle hier gelandet – zum Essen, zur Poncha, und am letzten Abend noch einmal mit Clara und Luca, bevor die beiden zum Flughafen mussten.

Bemalte Holztür mit Feldern aus Zeitungsausschnitten und Segelschiff-Motiven
Marktstand mit aufgehängten roten Chilischoten, Bananen, Drachenfrüchten und Zitrusfrüchten
Innenraum einer Kirche mit vergoldetem Altar und Holzbänken
Weiße Kirchenfassade mit rotem Ziegelportal und Rosettenfenster
Ladenfront „Casa do Bolo do Caco“ in einer abendlichen Gasse
Dachterrasse mit Sonnenschirmen und Blick auf den Kirchturm von Funchal in der Sonne

Gut zu wissen

  • Die Rua de Santa Maria abends laufen, dann sind die bemalten Türen beleuchtet
  • Der Mercado dos Lavradores lohnt sich vormittags, nicht nachmittags
Bewertung: 5 von 5

Wer beides einmal probiert hat, bestellt es den Rest der Woche.

Zwei Dinge sind uns von Madeira kulinarisch geblieben, und beide sind vollkommen unspektakulär.

Das erste ist Bolo do Caco, das Nationalbrot der Insel: ein flaches, weiches Süßkartoffelbrot, das auf einem heißen Stein gebacken wird. Es kommt zu allem dazu, meistens mit Knoblauchbutter, oft aber auch belegt – mit getrockneter Tomate, mit Fleisch, mit dem, was da ist. Am Ende der Woche haben wir es fast täglich gegessen, zuletzt auch bei der „Casa do Bolo do Caco“ in der Altstadt.

Das zweite ist die Poncha, das Getränk der Insel: Rum aus Zuckerrohr, dazu Honig und Zitronensaft. Die traditionelle Variante hat uns anfangs nicht überzeugt – sie ist ziemlich direkt. Dann haben wir mit dem „Rei da Poncha“ eine kleine Bar in der Altstadt gefunden, in der es die Poncha in vielen Abwandlungen gab, mit Orange und anderen Säften, und ab da war das Thema gegessen. An dem einen oder anderen Abend vielleicht etwas gründlicher, als geplant war.

Dazu Pastéis de Nata als Nachtisch, aber die sind portugiesisch und nicht madeirisch. Gut sind sie trotzdem.

Zwei orangefarbene Cocktails und ein Bier auf einem Tisch, dazu eine Speisekarte und ein Würfelbecher
Nächtliche Gassenszene vor einer Bar mit Gästen an Tischen im Freien
Papiertüte mit dem Logo „Rei da Poncha“ auf Kopfsteinpflaster
Beleuchtete Ladenfront eines Bolo-do-Caco-Geschäfts in einer Gasse am Abend

Gut zu wissen

  • Bolo do Caco am besten mit Knoblauchbutter, das ist die Standardvariante
  • Die traditionelle Poncha ist nur Rum, Honig und Zitrone und schmeckt entsprechend ruppig
  • Bars mit vielen Sorten machen es zugänglicher – und gefährlicher
Bewertung: 3,5 von 5

Schöne Fahrt an der Küste entlang – aber Wale sind eine Hoffnung, keine Zusage.

Wann
7. Oktober 2024
Start
08:30 Uhr
Dauer
3,5 Std.
Preis
45 € p. P.

Vom Hafen in Funchal fahren mehrmals täglich Boote hinaus, offiziell zum Whale Watching. Wir haben rund 45 Euro pro Person bezahlt und sind vormittags mitgefahren.

Gesehen haben wir Delfine. Viele, und aus kurzer Entfernung – aber eben Delfine.

Max

Ich behaupte bis heute, dass das einfach nur etwas größere Delfine waren. Wale waren jedenfalls nicht dabei. Dazu bin ich auf dieser Fahrt zum ersten Mal in meinem Leben seekrank geworden, und das war deutlich weniger lustig als der Rest der Woche.

Unabhängig davon war die Fahrt schön. Man sieht die Südküste von der Seite, von der man sie sonst nicht sieht, und auf dem Rückweg ging es an Câmara de Lobos vorbei – dem Fischerdorf westlich von Funchal, das vom Wasser aus deutlich besser aussieht als von der Straße.

Wer Wale garantiert sehen will, sollte hier nicht buchen. Wer eine gute Bootsfahrt will, schon.

Mann steht an der Reling eines Bootsdecks, im Hintergrund die Steilküste unter Wolken
Weißes Ausflugsboot mit Beschriftung liegt im Hafen, im Hintergrund Segelboote
Blick vom Bug eines Katamarans auf das offene Meer mit einer Wolkenbank am Horizont
Mann mit Sonnenbrille lehnt mit geschlossenen Augen im Bootssitz zurück
Steilküste mit Wolken, gesehen von der Reling eines Ausflugsboots

Gut zu wissen

  • Der Anbieter sagt es selbst – gesehen wird, was da ist
  • Auf der Rückfahrt geht es an Câmara de Lobos vorbei – von See aus die bessere Ansicht

Eingepackt

  • Etwas gegen Seekrankheit, auch wenn man sich für seefest hält
  • Windjacke, draußen ist es deutlich kühler als im Hafen
Bewertung: 3,5 von 5
Wann
7. Oktober 2024

Câmara de Lobos liegt knapp zehn Kilometer westlich von Funchal und gilt als Ursprungsort der Poncha. Im Plan stand ein eigener Nachmittag dafür.

Daraus geworden ist am Ende ein Vorbeifahren: Auf dem Rückweg vom Whale Watching hat das Boot die Bucht passiert, und wir haben den Ort von See aus gesehen – die bunten Fischerboote im Hafen, die Häuser gestaffelt am Hang darüber. Das ist ehrlicherweise die schönere Perspektive.

An Land waren wir nie. Von allen Punkten, die auf dieser Insel liegen geblieben sind, ist das der, der uns am ehesten fehlt.

Steile, zerklüftete Felsküste mit vereinzelten Häusern am Fuß, gesehen vom Wasser aus
Hohe Felsklippen entlang der Küste, im Vordergrund das Meer

Gut zu wissen

  • Vom Wasser aus sieht der Ort besser aus als von der Durchgangsstraße
  • Wer die Poncha an ihrem Ursprungsort trinken will, ist hier richtig
Bewertung: 4 von 5

Man muss ihn nicht mögen – aber wie er entsteht, ist die interessanteste Geschichte der Insel.

Wann
8. Oktober 2024
Dauer
1,5 Std.

Madeirawein hatten wir vorher nie getrunken, und der erste Schluck war eine Enttäuschung.

Max

Als ich den zum ersten Mal probiert habe, dachte ich ehrlich gesagt, das wäre Kümmerling. Das war nicht als Kompliment gemeint.

Interessant wurde es erst mit der Erklärung dazu. Bei Madeirawein wird nämlich ungefähr alles gemacht, was man beim Weinmachen sonst tunlichst unterlässt: Er wird über Monate erhitzt, er bekommt absichtlich Sauerstoff, und er wird mit Alkohol aufgespritet. Der Ursprung davon ist praktisch – auf den langen Schiffsreisen früherer Jahrhunderte hat der Wein in den Fässern in tropischer Hitze gestanden, und irgendwann hat man gemerkt, dass er dadurch nicht verdirbt, sondern besser wird. Seitdem macht man es absichtlich.

Wir haben die Führung an einem Nachmittag mit Clara und Luca bei der Kellerei H.M. Borges gemacht, zusammen mit dem, was man höflich als ausgiebige Verkostung bezeichnet. Im Fasslager steht auf einem der Fassböden handschriftlich der Jahrgang 1996. Zum Lieblingsgetränk ist Madeirawein bei uns nicht geworden. Zur besten Geschichte der Woche schon.

Lagerhalle mit aufgestapelten Holzfässern und Schild „Armazéns de Vinhos Wine Lodges“
Großes Holzfass mit der Aufschrift „H.M. Borges“
Mehrere Gläser mit unterschiedlich gefärbtem Wein im Kreis auf einem Fass, dazu Kekse und Trockenfrüchte
Fassboden mit handgeschriebener Jahrgangsangabe „1996“

Gut zu wissen

  • Erst die Führung, dann die Verkostung. Ohne Erklärung schmeckt er nur seltsam
  • Nicht mit trockenem Weißwein rechnen, das wird nichts

Canyoning

Aktivität

Bewertung: 5 von 5

Der actionreichste Programmpunkt einer ansonsten sehr entspannten Woche.

Wann
8. Oktober 2024
Dauer
4 Std.
Schwierigkeit
Mittel

Madeira ist voller Schluchten mit fließendem Wasser, und daraus hat sich eine kleine Canyoning-Szene entwickelt: abseilen, springen, rutschen, sich das Bachbett hinunterarbeiten.

An einem Tag hat sich die Gruppe deshalb geteilt. Rebecca und Clara sind shoppen gegangen, und Max und Luca haben sich mit einer Handvoll völlig fremder Leute in Neoprenanzüge gequetscht.

Es war der einzige Programmpunkt der Woche, bei dem es nicht um Aussicht ging, sondern darum, etwas zu machen – und nach sechs Tagen Wandern, Fahren und Gucken hat das ausgesprochen gut getan.

Wo genau die Schlucht war, wissen wir nicht mehr; die Fotos davon sind ohne Ortsangabe von den anderen Handys zu uns gekommen. Was bleibt, ist, dass es der Tag mit dem meisten Gelächter war.

Mann im Neoprenanzug seilt sich unter einem Brückenbogen in eine Felsschlucht ab
Mann im Neoprenanzug mit rotem Helm steht mit ausgebreiteten Armen in einer bewaldeten Felsschlucht
Mann im Neoprenanzug seilt sich an einem Seil eine Felswand neben einem Wasserfall hinab
Mann im Neoprenanzug mit rotem Helm vor moosbewachsenem Fels und Bäumen
Mann im Neoprenanzug seilt sich über Felsen in ein Wasserbecken ab, umgeben von Bäumen

Gut zu wissen

  • Neoprenanzug, Helm und Gurt stellt der Anbieter
  • Man muss nicht besonders sportlich sein, aber schwimmen können hilft

Eingepackt

  • Badesachen unter der Kleidung, umgezogen wird vor Ort
  • Handtuch und trockene Sachen fürs Auto
  • Nichts Empfindliches mitnehmen, alles wird nass

Ponta de São Lourenço

2. Oktober 2024 · Ponta de São Lourenço

Etappe 2 von 11 · Anreise per Auto, 45 Min.

Der erste volle Tag auf der Insel, und wir sind gleich an ihr anderes Ende gefahren. Die Ponta de São Lourenço ist die Ostspitze und der trockenste Teil Madeiras – nach der grünen Südküste wirkt sie, als gehörte sie zu einem anderen Land.

Der PR8 läuft über den Rücken dieser Halbinsel bis kurz vor ihr Ende, mit dem Atlantik links und rechts. Wir waren gut viereinhalb Stunden unterwegs und hatten dabei zu keinem Zeitpunkt Schatten.

Rebecca geht auf einem schmalen Pfad aus rotbraunem Gestein, rechts fällt die karge Halbinsel zum tiefblauen Atlantik ab

Als Einstieg war das ideal. Wer diesen Tag hinter sich hat, ist auf alles vorbereitet, was die Insel sonst noch an Extremen zu bieten hat.

Max und Rebecca stehen lächelnd mit Rucksack und Tasche auf einem Felsvorsprung, dahinter der Atlantik und die Ostspitze der Insel
Bewertung: 4,5 von 5

Sieht aus wie ein anderer Kontinent als der Rest der Insel – und lohnt sich genau deshalb.

Wann
2. Oktober 2024
Start
10:15 Uhr
Dauer
5 Std.
Schwierigkeit
Mittel
Strecke
8 km

Unsere erste richtige Wanderung auf der Insel, und ausgerechnet die, die am wenigsten nach Madeira aussieht. Die Ponta de São Lourenço ist die Ostspitze, ein schmaler Rücken aus rotem und ockerfarbenem Gestein, der ins Meer hinausläuft. Kein Wald, kaum Sträucher, dafür Wind aus jeder Richtung und links wie rechts nichts als Atlantik.

Der PR8 folgt diesem Rücken bis kurz vor sein Ende. Das ständige Auf und Ab summiert sich mehr, als der Blick auf die Karte vermuten lässt, und Schatten gibt es auf der gesamten Strecke keinen Meter – am Vormittag, als wir unterwegs waren, war der Himmel dafür noch wolkenlos, erst gegen Mittag zogen die ersten Wolken auf. Stellenweise ist der schmale Grat mit Seil oder Kette gesichert, und einsam waren wir dabei nicht: Auf dem Weg waren mehrere andere Wandergruppen unterwegs. Wir waren mit Hin- und Rückweg gut viereinhalb Stunden unterwegs.

Rückblickend war das der perfekte Einstieg. Nach diesem Tag hatten wir den einen Extremwert der Insel gesehen – trocken, kahl, Wind – und alles, was danach kam, war grün, feucht und bewachsen. Dass beides auf dieselben sechzig Kilometer passt, ist das eigentlich Erstaunliche an Madeira.

Eine schmale rötliche Felsnadel ragt aus dem tiefblauen Meer, dahinter weitere zerklüftete Felsformationen an der Küste
Schmale Bucht mit türkisfarbenem Wasser zwischen steilen rot-ockerfarbenen Felswänden
Eine Reihe Wanderer geht hintereinander über einen schmalen Bergrücken, links und rechts fällt das Gelände zum Meer ab
Ein Wanderer mit Rucksack geht auf rotbraunem Untergrund an einem mit Seil gesicherten schmalen Wegabschnitt entlang
Rebecca sitzt mit Käppi und Sonnenbrille auf Felsen, dahinter in praller Sonne die zerklüftete Küste und andere Wanderer
Rebecca sitzt auf einer Felskante, davor die schmale Halbinsel mit tiefblauem Wasser auf beiden Seiten
Ein Wanderer mit Rucksack sitzt auf einem Felsen über einer türkisfarbenen Bucht

Gut zu wissen

  • Früh starten, der Parkplatz am Einstieg ist schnell voll
  • Der Weg endet an der Casa do Sardinha, danach geht es denselben Weg zurück
  • Wer nur die Aussicht will, kommt schon nach dreißig Minuten an die erste Kante

Eingepackt

  • Viel Wasser, unterwegs gibt es nichts
  • Kopfbedeckung und Sonnenschutz, es gibt keinen Schatten
  • Windjacke, oben zieht es aus jeder Richtung

Rabaçal

3. Oktober 2024 · Rabaçal

Etappe 3 von 11 · Anreise per Auto, 1,5 Std.

An diesem Tag waren wir zum ersten Mal nicht allein unterwegs. Clara und Luca, die wir in Lissabon getroffen hatten, waren dabei – und ab hier ist aus dem zufälligen Wiedersehen ein gemeinsamer Urlaub geworden.

Zwei Personen mit Rucksäcken gehen einen schmalen Pfad durch dichten grünen Bewuchs entlang, im Hintergrund bewaldete Berghänge

Von dem kleinen Parkplatz oberhalb von Rabaçal starten gleich zwei der bekanntesten Wege der Insel. Wir haben beide gemacht: erst die Levada das 25 Fontes zu dem Kessel, aus dessen Wand das Wasser an Dutzenden Stellen tritt, dann den kürzeren Weg zum Risco-Wasserfall.

Unterwegs liegt der Wasserfall, unter den sich alle stellen. Das ist inzwischen eine kleine Institution mit entsprechender Warteschlange, und ja, wir haben uns eingereiht.

Mehrere Personen stehen am Fuß eines schmalen Wasserfalls in einem dunklen Becken, umgeben von Farnen und moosigem Fels

Zusammen wurden daraus gut sechs Stunden, fast durchgehend im Lorbeerwald und fast durchgehend neben laufendem Wasser.

Blick in einen steilen, dicht bewaldeten Taleinschnitt zwischen zwei Bergrücken unter blauem Himmel
Bewertung: 5 von 5

Der bekannteste Weg der Insel ist zu Recht der bekannteste – auch wenn man ihn sich teilt.

Wann
3. Oktober 2024
Start
09:16 Uhr
Dauer
6 Std.
Schwierigkeit
Mittel
Strecke
9 km

Am dritten Tag sind wir zum ersten Mal zu sechst losgezogen – mit Clara und Luca, die wir in Lissabon kennengelernt hatten. Auch dieser Tag begann früh, weil der Parkplatz oberhalb von Rabaçal klein ist und sich schnell füllt.

Der Weg folgt der Levada, einem der alten Bewässerungskanäle, die die Insel durchziehen. Weil so ein Kanal seine Höhe hält, ist die Strecke fast eben – man läuft stundenlang durch dichten Lorbeerwald, immer neben laufendem Wasser, ohne nennenswert zu steigen.

Am Ende steht der Kessel der 25 Fontes: Das Wasser kommt dort nicht aus einer Quelle, sondern tritt an Dutzenden Stellen gleichzeitig aus der Felswand. Unterwegs gibt es außerdem einen Wasserfall, unter den man sich stellen kann. Das machen naturgemäß alle, und entsprechend sah es dort aus – eine Schlange von Leuten, die nacheinander für ein Foto unter die Naturdusche traten. Wir haben mitgemacht.

Mehrere Personen stehen nacheinander im Becken unter einem schmalen Wasserfall

Zusammen mit dem Risco-Wasserfall wurde daraus ein Tag von gut sechs Stunden. Von allen Levadas, die wir gegangen sind, ist das die, die man gesehen haben muss.

Weites Panorama dicht bewaldeter grüner Hügel unter blauem Himmel
Ein schmaler Wasserfall stürzt in ein dunkles Becken, drei Personen stehen am felsigen Ufer
Eine Person mit Rucksack balanciert auf einem Felsen zwischen dichten Nadelbäumen, im Hintergrund blauer Himmel
Blick in eine steile, dicht bewachsene grüne Schlucht zwischen zwei Bergkämmen
Wanderer gehen auf einem schmalen Pfad, über dem sich knorriges Astwerk wie ein Tunnel wölbt
Breite, mit Farnen und Moos bewachsene Felswand, aus der an mehreren Stellen Wasser heraustritt

Gut zu wissen

  • Sehr früh starten, der Parkplatz oberhalb von Rabaçal ist begrenzt
  • Zugang ist gebührenpflichtig und in der Saison mit Zeitfenster
  • Risco und 25 Fontes starten am selben Punkt – beide an einem Tag ist gut machbar

Eingepackt

  • Feste Schuhe, der Boden ist durchgehend nass
  • Regenjacke, im Lorbeerwald tropft es auch ohne Regen
  • Badesachen, falls man unter den Wasserfall will
Bewertung: 4 von 5
Wann
3. Oktober 2024
Dauer
2 Std.
Schwierigkeit
Leicht

Vom selben Parkplatz oberhalb von Rabaçal führt die Levada do Risco in gut einer Stunde zu einer Felswand, über die das Wasser aus rund hundert Metern herabfällt.

Der Weg ist deutlich kürzer und leichter als der zu den 25 Fontes und praktisch eben – Levadas sind Bewässerungskanäle und halten ihre Höhe. Genau deshalb hängt man ihn sinnvollerweise an denselben Tag an, so wie wir.

Der Wasserfall selbst ist weniger spektakulär als die 25 Fontes, dafür steht man ihm direkter gegenüber. Nach dem langen Weg davor war das eine gute Reihenfolge.

Ein einzelner schmaler Wasserfall stürzt eine hohe, dicht bewachsene Felswand in einer engen Schlucht hinab
Eine Person mit Käppi steht in einer engen Felsschlucht direkt vor einem hohen schmalen Wasserfall
Ein Wanderer mit Rucksack geht auf einem schmalen Pfad neben einer gemauerten Wasserrinne, überdacht von Ästen

Gut zu wissen

  • Lässt sich problemlos mit den 25 Fontes zu einem Tag verbinden
  • Der Weg ist fast eben und auch mit müden Beinen noch drin

Nordwestrunde

4. Oktober 2024 · Porto Moniz

Etappe 4 von 11 · Anreise per Auto, 1,5 Std.

Die Nordwestrunde ist der Tag, an dem sichtbar wird, dass diese Insel ein Vulkan ist.

Erster Halt war Seixal: schwarzer Sand unter Steilhängen, die so grün sind, dass der Kontrast fast künstlich wirkt, dazu ein Becken im Fels, in das die Brandung von außen hereinschlägt.

Blick durch eine natürliche Felsöffnung auf eine Bucht mit schwarzem Sand, in der mehrere Personen im Wasser stehen

Von dort ging es weiter an die Nordwestecke nach Porto Moniz, wo ein Lavastrom ins Meer gelaufen und beim Erkalten zu einer Landschaft aus Becken erstarrt ist. Die füllt heute der Atlantik, und man schwimmt darin – geschützt vom Fels, während man die Wellen zwanzig Meter weiter an die Kante schlagen sieht.

Menschen schwimmen in türkisfarbenen Lavabecken, dahinter schlagen Wellen gegen die äußeren schwarzen Felsen

Die Strecke dazwischen gehört zum Programm: Die Straßen an der Nordküste laufen in engen Kurven an den Hängen entlang, und der zweite Gang unseres kleinen Mietwagens hat sich als der Lieblingsgang dieser Reise etabliert. Schon auf dem Weg an die Nordküste fällt ein Wasserfall direkt neben einem Tunnel auf die Straße.

Straße mit Tunneleinfahrt führt an einem Felshang entlang, aus dem ein schmaler Wasserfall herabläuft, ein roter Oldtimer fährt vorbei
Bewertung: 4,5 von 5

Der Ort, an dem einem am deutlichsten auffällt, dass diese Insel ein Vulkan ist.

Wann
4. Oktober 2024
Start
10:17 Uhr
Dauer
2 Std.

Die Nordwestrunde hat in Seixal angefangen. Der Ort liegt an der Nordküste unter Steilhängen, die so grün sind, dass der schwarze Sand darunter fast unwirklich wirkt.

Mehrere Dinge liegen hier dicht beieinander: der schwarze Strand und ein natürliches Becken im Fels, in das die Brandung von außen hereinschlägt, während man drinnen im ruhigen Wasser steht. Direkt daneben gibt es außerdem ein gefasstes Schwimmbecken des Dorfs. Wir haben gut zwei Stunden dort verbracht.

Wenn man in derselben Woche schon auf der kahlen Ostspitze war, ist der Kontrast an dieser Stelle am größten. Zwischen beiden liegen keine sechzig Kilometer.

Mehrere Personen liegen auf Handtüchern auf schwarzem Sand, dahinter ein steiler grüner Hang
Ein schmaler Wasserfall tropft eine moosige, mit Farnen bewachsene Felswand herab
Blick durch eine natürliche Felsöffnung auf eine Bucht, zwei Personen stehen im flachen Wasser
Eine Person im Bikini steht in der Brandung am schwarzen Sandstrand, dahinter steile bewaldete Klippen
Max und Rebecca lächeln in die Kamera, dahinter das Meer und steile grüne Klippen
Mehrere Personen stehen und schwimmen im Wasser einer Bucht, umgeben von steilen bewaldeten Hängen

Gut zu wissen

  • Bei starkem Seegang bleiben die Naturbecken besser tabu
  • Der schwarze Strand liegt ein Stück abseits vom Ortskern, ausschildern lassen

Eingepackt

  • Badesachen und Handtuch
  • Badeschuhe, der Fels ist scharfkantig
Bewertung: 4,5 von 5

Klingt nach Freibad, ist aber ein erstarrter Lavastrom mit dem Atlantik an der Kante.

Wann
4. Oktober 2024
Start
12:22 Uhr
Dauer
4,5 Std.

Porto Moniz liegt in der Nordwestecke Madeiras, und was den Ort bekannt gemacht hat, ist Geologie: Ein Lavastrom ist hier ins Meer gelaufen und beim Erkalten zu einer Landschaft aus Becken, Wällen und Rinnen erstarrt. Diese Becken füllt heute der Atlantik, und man schwimmt darin. Es gibt dabei zwei getrennte Beckenanlagen nebeneinander.

Wir waren den halben Nachmittag dort. Das Wasser ist klar und deutlich ruhiger als das Meer zwanzig Meter weiter, weil der Fels die Brandung abfängt – man sieht sie draußen an die Kante schlagen, während drinnen fast nichts passiert.

Zusammen mit Seixal ergibt das einen sehr runden Tag: erst schwarzer Sand, dann erstarrte Lava, dazwischen eine Stunde Küstenstraße, die selbst zum Programm gehört.

Blick von einem Gebäude auf türkisfarbene Lavabecken, außen schlagen Wellen gegen die schwarzen Felsen
Menschen liegen und schwimmen in Lavabecken, dahinter schlagen Wellen gegen die äußeren schwarzen Felsen
Zwei Personen schwimmen im Wasser neben einer blauen Leiter am Fels, eine weitere Person sitzt am Ufer
Mehrere Personen liegen und stehen an den Lavabecken, im Hintergrund eine felsige Landzunge im Meer
Liegestühle stehen am Rand eines ruhigen Lavabeckens, umgeben von schwarzem Vulkangestein

Gut zu wissen

  • Es gibt zwei Anlagen – die kostenpflichtige ist gepflegter, die freie ursprünglicher
  • Bei rauer See wird gesperrt, das kann kurzfristig passieren

Eingepackt

  • Badeschuhe, der Lavafels ist rau
  • Handtuch und Sonnenschutz

Pico do Arieiro

5. Oktober 2024 · Pico do Arieiro

Etappe 5 von 11 · Anreise per Auto, 1 Std.

Der Tag, der um vier Uhr morgens angefangen hat. Zum Pico do Arieiro führt als einzigem der hohen Gipfel eine Straße hinauf, und deshalb fährt man nachts los, um oben zu sein, bevor es hell wird.

Die Auffahrt war der unangenehmste Teil des ganzen Urlaubs: eng, kurvig, stockdunkel, mit einem Mietwagen, der an solchen Steigungen deutlich mehr Aufmerksamkeit verlangt als auf der Küstenstraße.

Oben hat sich das um ein Vielfaches gerechnet. Man steht auf 1.818 Metern über einer geschlossenen Wolkendecke, aus der nur die höchsten Gipfel herausragen, und wartet. Von allem, was diese Woche zu bieten hatte, ist das der Moment geblieben.

Geschlossenes Wolkenmeer im Morgenlicht, aus dem nur die höchsten Gipfel herausragen

Anschließend sind wir noch ein Stück auf den PR1 hinaus, den Grat Richtung Pico Ruivo. Weit sind wir nicht gekommen: Nach den Waldbränden vom August 2024 war ein Abschnitt gesperrt.

Wanderer auf dem schmalen Gratweg des PR1 zwischen schroffen Felsspitzen
Bewertung: 5 von 5

Die anstrengendste Anfahrt der Reise und der beste Moment. Beides mit Abstand.

Wann
5. Oktober 2024
Start
05:49 Uhr
Dauer
6,5 Std.
Schwierigkeit
Mittel
Höchster Punkt
1.818 m
Strecke
3 km

Der Pico do Arieiro ist mit 1.818 Metern der dritthöchste Punkt Madeiras, und der einzige, zu dem eine Straße hinaufführt. Genau deshalb fährt man nachts hoch.

Wir sind mitten in der Nacht losgefahren, und die Auffahrt war der unangenehmste Teil des ganzen Urlaubs: eine enge, kurvige Bergstraße, im Dunkeln, mit einem kleinen Mietwagen, dessen Lieblingsgang bei diesen Steigungen der zweite war. Für die Augen war das über eine Stunde harte Arbeit.

Oben hat es sich acht Mal gelohnt. Man steht auf 1.800 Metern über einem geschlossenen Wolkenmeer, aus dem nur die höchsten Gipfel herausragen, und wartet, bis es hell wird. Von allem, was wir auf Madeira gesehen haben, ist das der Moment, der geblieben ist.

Danach sind wir noch ein Stück auf den PR1 hinaus, den Gratweg Richtung Pico Ruivo. Weit gekommen sind wir nicht: Nach den Waldbränden im August 2024, wenige Wochen vor unserer Reise, war ein Teil der Strecke gesperrt. Für ein paar Kilometer über Treppen und an Steilhängen entlang hat es trotzdem gereicht – und für die Erkenntnis, dass diese Route den ganzen Tag verdient hätte, den wir ihr nicht gegeben haben. An einem der Wegweiser auf dem Grat klebt ein gelber Aufkleber mit der Aufschrift „Nett hier“.

Max und Rebecca stehen als Silhouetten auf einem Felsen über dem Wolkenmeer im Morgenlicht
Geschlossenes Wolkenmeer im warmen Morgenlicht, einzelne Gipfel ragen daraus hervor
Die Sonne geht über einem felsigen Grat auf, eine Person steht als Silhouette am Rand
Schroffer, zerklüfteter Gratrücken unter blauem Himmel
Wanderer steigen eine steinerne Treppe zu einer Felsspitze hinauf, die Sonne blendet von oben
Ein Wanderer mit Rucksack auf einem schmalen Pfad an einer steilen, rötlichen Felswand
Nahaufnahme von Rebecca beim Selfie, im Hintergrund geht die Sonne über dem Wolkenmeer auf
Zwei Wanderer steigen über schmale Steinstufen einen Felsgrat hinab

Gut zu wissen

  • Deutlich früher losfahren als gerechnet – die Straße hinauf ist eng und kurvig
  • Vorher prüfen, welche Abschnitte des PR1 offen sind. Nach den Bränden im August 2024 war ein Teil gesperrt
  • Auch wer nicht wandert, hat oben schon vom Parkplatz aus die volle Aussicht

Eingepackt

  • Stirnlampe, oben ist es vor Sonnenaufgang stockdunkel
  • Warme Jacke, auf 1.800 Metern sind es nachts einstellige Grade
  • Feste Schuhe, wenn man noch ein Stück auf den PR1 will

Santana

6. Oktober 2024 · Santana

Etappe 6 von 11 · Anreise per Auto, 50 Min.

Dieser Tag war der längste am Steuer, und er hat auf dem Pass angefangen. Der Miradouro da Portela liegt auf gut 600 Metern dort, wo die Straße von der Süd- auf die Nordseite wechselt, mit Blick hinunter nach Porto da Cruz und auf den Adlerfelsen.

Blick von einem Aussichtspunkt über bewachsene Hänge auf einen schroffen Felsen an der Küste, dahinter das Meer

Weiter ging es an der Nordküste entlang nach Santana, wo die bekanntesten Häuser der Insel stehen: klein, dreieckig, bunt gestrichen, mit Strohdächern, die fast bis auf den Boden reichen. Anderthalb Stunden reichen dafür völlig.

Zwei kleine dreieckige Häuser mit tief heruntergezogenen Strohdächern an einem gepflasterten Weg

Danach sind wir quer über die Insel weiter in den Nordwesten gefahren – der Tag war damit noch lange nicht zu Ende.

Bewertung: 4 von 5
Wann
6. Oktober 2024
Start
12:36 Uhr
Dauer
20 Min.

Der Miradouro da Portela liegt auf gut 600 Metern auf dem Pass, über den die Straße von der Süd- auf die Nordseite der Insel wechselt. Man hält dort an, weil man dort anhalten muss: Nach Norden fällt der Blick auf Porto da Cruz, die Nordostküste und den Penha de Águia, den Adlerfelsen, der fast senkrecht aus dem Meer steht.

Direkt am Aussichtspunkt steht außerdem ein kleiner Schrein mit einer Marienstatue, umgeben von blauen Hortensien.

Für uns war das ein Zehn-Minuten-Halt auf dem Weg nach Santana. Genau dafür ist ein Miradouro da.

Interessant ist der Punkt aber auch als Wetterscheide: Auf der Südseite kann die Sonne scheinen, während gegenüber alles in Wolken hängt. Wer auf Madeira plant, plant nach diesem Prinzip.

Aussicht von einem Pass über bewachsene Hänge hinunter auf ein Dorf an der Küste und einen markanten Felsen im Meer
Person sitzt auf einer Mauer am Aussichtspunkt, dahinter die Aussicht auf die Nordküste

Gut zu wissen

  • Liegt direkt an der Straße, ein Stopp von zehn Minuten genügt
  • Von hier sieht man, wie steil die Nordseite gegenüber der Südseite abfällt
Bewertung: 3,5 von 5
Wann
6. Oktober 2024
Start
13:15 Uhr
Dauer
1,5 Std.

In Santana an der Nordküste stehen die bekanntesten Häuser der Insel: kleine, spitz zulaufende Bauernhäuser mit Strohdächern, die bis fast auf den Boden reichen, bunt gestrichen und so klein, dass man sich fragt, wie darin gewohnt wurde.

Wir haben knapp anderthalb Stunden dort verbracht und uns die Häuschen von innen angesehen. Es ist ein touristischer Punkt und macht daraus auch kein Geheimnis, aber es ist eben doch ein eigener Baustil, den es nirgendwo sonst gibt. Vor einem der Häuser steht eine bemalte Holzfigur in Tracht zum Hineinstellen für Fotos, und die Gärten dazwischen sind mit Begonien bepflanzt.

Für uns war es ein Zwischenhalt: Der Tag ging danach weiter quer über die Insel bis in den Nordwesten.

Zwei dreieckige Strohdachhäuser an einem gepflasterten Weg, umgeben von einem bepflanzten Garten
Zwei Personen vor einem Strohdachhaus mit blühendem Garten
Person sitzt auf einer Bank vor dem Eingang eines Strohdachhauses mit getrockneten Maiskolben über der Tür

Gut zu wissen

  • Ein Halt von einer Stunde reicht völlig
  • Lässt sich gut mit dem Miradouro da Portela und der Weiterfahrt nach Fanal verbinden

Fanal

6. Oktober 2024 · Fanal

Etappe 7 von 11 · Anreise per Auto, 1,5 Std.

Am späten Nachmittag desselben Tages waren wir in Fanal, und zwar zu sechst: Mara, Nico, Clara, Luca und wir beide.

Fanal ist eine Hochebene auf 1.150 Metern, auf der uralte Stinklorbeerbäume stehen – niedrig, breit ausladend, mit Ästen in alle Richtungen. Berühmt geworden ist der Ort durch Bilder, auf denen Nebel zwischen den Bäumen hängt.

Den hatten wir nicht. Wir standen bei klarer Sicht auf einer sehr schönen Wiese, auf der sehr viele Kühe zwischen den Bäumen herumstanden und sich von uns überhaupt nicht stören ließen. Das war lustig, aber es war nicht das, wofür man herfährt. Einer der alten Bäume hat einen hohlen Stamm, in den man sich hineinstellen kann.

Hellbraune Kuh grast unter einem knorrigen, weit ausladenden Baum
Zwei Personen stehen im hohlen, begehbaren Inneren eines uralten Baumstamms

Wir haben uns deshalb vorgenommen, noch einmal wiederzukommen – und das ist am vorletzten Tag auch passiert.

Bewertung: 5 von 5

Der einzige Ort, an den wir zweimal gefahren sind – und der einzige, bei dem schlechtes Wetter das bessere ist.

Wann
6. – 10. Oktober 2024
Dauer
1,5 Std.

Fanal ist eine Hochebene auf gut 1.150 Metern im Nordwesten, auf der uralte Stinklorbeerbäume stehen – niedrig, extrem breit gewachsen, mit Ästen, die sich in alle Richtungen drehen. Auf den Bildern, wegen denen alle hierherfahren, hängt Nebel dazwischen.

Beim ersten Mal, an einem Nachmittag zu sechst mit Mara, Nico, Clara und Luca, hatten wir schlicht Pech: klare Sicht, keine Schwaden, dafür eine sehr schöne Wiese mit sehr vielen Kühen, die dort völlig unbeeindruckt zwischen den Bäumen stehen. Das war lustig, aber es war nicht das, weshalb man kommt. Einer der alten Bäume hat einen hohlen Stamm, in den man sich hineinstellen kann.

Vier Tage später sind Rebecca und ich noch einmal allein hingefahren – und diesmal hat es gestimmt. Mit Nebel wird aus der Wiese ein anderer Ort: Die Bäume verlieren ihre Umrisse, die Entfernungen stimmen nicht mehr, und man hört sehr wenig. Der Umweg hat sich gelohnt.

Es ist der einzige Punkt auf dieser Insel, bei dem schlechtes Wetter die Bedingung ist und nicht das Risiko.

Kuh steht unter einem breit ausladenden alten Baum, klarer Himmel im Hintergrund
Person steht neben einer grasenden Kuh auf einer Wiese mit knorrigen Bäumen, klarer Himmel
Person beugt sich zu einer Kuh zwischen den Bäumen hinunter, klarer Himmel im Hintergrund
Person steht allein zwischen knorrigen alten Bäumen auf einer Wiese, klarer Himmel
Gruppe knorriger Bäume auf einer Wiese, im dichten Nebel nur noch als Silhouetten zu erkennen
Einzelner ausladender Baum auf einer Wiese, vom Nebel fast verschluckt
Person steht neben einer Kuh im Nebel und streichelt sie
Knorriger, verwitterter Baumstumpf auf einer Wiese im dichten Nebel

Gut zu wissen

  • Bei Sonne lohnt sich die Fahrt nur halb. Nebel ist hier ausdrücklich das Ziel
  • Die Webcams und Wettermodelle für die Nordwesthälfte vorher anschauen
  • Nicht auf den Bäumen herumklettern, viele sind mehrere hundert Jahre alt

Eingepackt

  • Jacke, auf 1.150 Metern ist es auch im Oktober kühl
  • Feste Schuhe, die Wiese ist meistens nass

Porto da Cruz

9. Oktober 2024 · Porto da Cruz

Etappe 8 von 11 · Anreise per Auto, 55 Min.

Diese Wanderung stand in keinem Plan. Luca hatte sie im Internet gefunden und vorgeschlagen, und sie ist die geworden, von der wir hinterher am meisten erzählt haben.

Steil abfallende Felsküste, an deren Fuß das Wasser türkis aufschäumt

Von dem Weiler Larano oberhalb von Porto da Cruz läuft ein alter Verbindungsweg an der Steilküste entlang nach Osten. Er hält seine Höhe, ist deshalb kaum anstrengend, und man hat trotzdem die ganze Zeit zweihundert Meter unter sich den Atlantik.

Schmaler Weg an einer Steilküste, gesichert mit einem niedrigen Metallgeländer, das Meer weit unten

Es war eher Spazierengehen auf sehr lange Distanz als Wandern – gut vier Stunden, kaum Steigung, und über weite Strecken niemand sonst unterwegs.

Am selben Abend ging es noch einmal auf den Pico do Arieiro.

Bewertung: 5 von 5

Die entspannteste Wanderung der Reise und trotzdem die mit der besten Aussicht.

Wann
9. Oktober 2024
Start
10:08 Uhr
Dauer
4 Std.
Schwierigkeit
Leicht
Strecke
11 km

Diese Strecke stand in keinem Plan. Luca hatte sie im Internet gefunden und vorgeschlagen, und sie ist am Ende die Wanderung geworden, von der wir am meisten erzählen.

Von dem Weiler Larano oberhalb von Porto da Cruz führt ein alter Verbindungsweg an der Steilküste entlang nach Osten. Das Prinzip ist dasselbe wie bei den Levadas: Der Weg hält seine Höhe. Man geht also stundenlang, ohne nennenswert zu steigen, und hat dabei die ganze Zeit zweihundert Meter unter sich den Atlantik.

Anstrengend ist daran fast nichts – es ist Spazierengehen auf sehr lange Distanz. Anspruchsvoll ist höchstens, dass der Pfad an einigen Stellen schmal wird und direkt an der Kante läuft. Ein Wegweiser unterwegs zeigt Richtung „Boca do Risco“, und an einer Stelle führt eine Seilkonstruktion an Holzmasten die Klippe hinab.

Was den Tag getragen hat, war die Landschaft: raue Nordküste, kaum Menschen, und mit jeder Biegung eine neue Bucht. Von allen Wegen, die wir auf Madeira gegangen sind, ist das der, den man sonst nirgends empfohlen bekommt.

Steil abfallende, bewachsene Küste mit weißer Brandung am Fuß der Felsen
Schmaler unbefestigter Weg, der sich zwischen dichtem Grün an einem Hang entlangzieht
Person sitzt auf einem Felsvorsprung mit Blick auf die Steilküste
Zwei Personen vor einem Panorama aus Steilküste und Meer
Schmaler Pfad, der direkt an der Klippenkante entlangführt, tief darunter das Meer
Zwei Personen stehen an einem Klippenrand mit Blick auf die Steilküste und das Meer

Gut zu wissen

  • Der Weg hält seine Höhe – man läuft weit, ohne viel zu steigen
  • Kein Massenziel. Wir waren auf weiten Strecken allein unterwegs
  • Oberhalb von Porto da Cruz starten und einfach so weit gehen, wie man Lust hat

Eingepackt

  • Wasser, unterwegs gibt es nichts
  • Feste Schuhe, an ein paar Stellen ist der Pfad schmal und ausgesetzt

Pico do Arieiro, zum Zweiten

9. Oktober 2024 · Pico do Arieiro

Etappe 9 von 11 · Anreise per Auto, 1 Std.

Seit dem Sonnenaufgang vier Tage zuvor war klar, dass wir noch einmal hier hoch wollten. An diesem Tag hat es gepasst: vormittags der Küstenweg bei Porto da Cruz, nachmittags die Auffahrt zum Pico do Arieiro – und diesmal bei Tageslicht, was die Sache deutlich entspannter gemacht hat.

Oben waren wir fast fünf Stunden. In dieser Zeit ändert sich das Licht permanent: Erst liegt das Wolkenmeer flach und hell unter einem, dann bekommt es Farbe, dann verschwindet der Horizont.

Weißes Wolkenmeer liegt flach im Tal unter blauem Himmel, noch ohne Abendfarben
Oranger Abendhimmel über dem Wolkenmeer, eine Person steht am Aussichtspunkt
Fast dunkler Himmel mit einem letzten schmalen orangen Streifen über dem Wolkenmeer

Von diesem Abend stammen die meisten Fotos der ganzen Reise. Die Abfahrt im Dunkeln war anschließend deutlich angenehmer als die Auffahrt im Dunkeln vier Tage vorher.

Bewertung: 5 von 5

Wenn man einmal oben war, will man wieder hoch. Und abends ist die Auffahrt deutlich angenehmer.

Wann
9. Oktober 2024
Start
16:22 Uhr
Dauer
5 Std.

Nach dem Sonnenaufgang am fünften Tag stand fest, dass wir noch einmal hier hoch wollten. Vier Tage später sind wir es angegangen – diesmal nachmittags, und damit ohne die nervenaufreibende Auffahrt im Dunkeln.

Wir waren am späten Nachmittag oben und sind bis in die Dunkelheit geblieben, insgesamt fast fünf Stunden. Das Licht ändert sich in dieser Zeit ständig: Erst liegt das Wolkenmeer flach und hell unter einem, dann bekommt es Farbe, dann verschwindet der Horizont, und am Ende steht man auf 1.800 Metern in einer sehr klaren, sehr kalten Nacht.

Von diesem Abend stammen die meisten Fotos des ganzen Urlaubs. Der Berg ist auf Madeira der Ort, an dem man am wenigsten dazu kommt, das Handy wegzustecken.

Dramatische Wolken über einem schroffen Felsgrat am Nachmittag, noch vor Sonnenuntergang
Oranger Abendhimmel über dem Wolkenmeer, eine Person steht am Rand des Aussichtspunkts
Warmes Abendlicht über dem Wolkenmeer, eine Person schaut zur untergehenden Sonne
Rebecca steht in der Dämmerung auf dem Grat, der Himmel ist nur noch schwach orange
Wolken strömen in der Dämmerung durch eine enge Schlucht, der Himmel ist fast dunkel
Max und Rebecca lächeln in die Kamera, im Tal darunter bildet sich das Wolkenmeer im Abendlicht
Rebecca steigt am Nachmittag eine steinerne Treppe zu einer Felsspitze hinauf

Gut zu wissen

  • Nachmittags hochfahren und die Wartezeit oben verbringen, das ist der halbe Reiz
  • Die Abfahrt im Dunkeln ist angenehmer als die Auffahrt im Dunkeln

Eingepackt

  • Warme Jacke, nach Sonnenuntergang wird es auf 1.800 Metern schnell kalt
  • Stirnlampe für den Rückweg zum Parkplatz

Fanal, zum Zweiten

10. Oktober 2024 · Fanal

Etappe 10 von 11 · Anreise per Auto, 1,5 Std.

Am vorletzten Tag sind Rebecca und ich noch einmal allein nach Fanal gefahren, und diesmal hat es gestimmt.

Mit Nebel ist das ein anderer Ort. Die Bäume verlieren ihre Umrisse, Entfernungen lassen sich nicht mehr schätzen, und es ist auffällig still. Was vier Tage vorher eine schöne Wiese mit Kühen war, sah jetzt aus wie die Bilder, wegen derer wir überhaupt hergefahren waren.

Reihe knorriger Bäume auf einer Wiese, ihre Umrisse im dichten Nebel kaum noch zu erkennen
Kuh grast auf einer Wiese im dichten Nebel, im Hintergrund nur schemenhaft Bäume

Anderthalb Stunden waren wir dort. Es ist der einzige Punkt dieser Insel, bei dem man auf schlechtes Wetter hofft – und der einzige, für den wir zweimal die ganze Strecke in den Nordwesten gefahren sind.

Bewertung: 5 von 5

Der einzige Ort, an den wir zweimal gefahren sind – und der einzige, bei dem schlechtes Wetter das bessere ist.

Wann
6. – 10. Oktober 2024
Dauer
1,5 Std.

Fanal ist eine Hochebene auf gut 1.150 Metern im Nordwesten, auf der uralte Stinklorbeerbäume stehen – niedrig, extrem breit gewachsen, mit Ästen, die sich in alle Richtungen drehen. Auf den Bildern, wegen denen alle hierherfahren, hängt Nebel dazwischen.

Beim ersten Mal, an einem Nachmittag zu sechst mit Mara, Nico, Clara und Luca, hatten wir schlicht Pech: klare Sicht, keine Schwaden, dafür eine sehr schöne Wiese mit sehr vielen Kühen, die dort völlig unbeeindruckt zwischen den Bäumen stehen. Das war lustig, aber es war nicht das, weshalb man kommt. Einer der alten Bäume hat einen hohlen Stamm, in den man sich hineinstellen kann.

Vier Tage später sind Rebecca und ich noch einmal allein hingefahren – und diesmal hat es gestimmt. Mit Nebel wird aus der Wiese ein anderer Ort: Die Bäume verlieren ihre Umrisse, die Entfernungen stimmen nicht mehr, und man hört sehr wenig. Der Umweg hat sich gelohnt.

Es ist der einzige Punkt auf dieser Insel, bei dem schlechtes Wetter die Bedingung ist und nicht das Risiko.

Kuh steht unter einem breit ausladenden alten Baum, klarer Himmel im Hintergrund
Person steht neben einer grasenden Kuh auf einer Wiese mit knorrigen Bäumen, klarer Himmel
Person beugt sich zu einer Kuh zwischen den Bäumen hinunter, klarer Himmel im Hintergrund
Person steht allein zwischen knorrigen alten Bäumen auf einer Wiese, klarer Himmel
Gruppe knorriger Bäume auf einer Wiese, im dichten Nebel nur noch als Silhouetten zu erkennen
Einzelner ausladender Baum auf einer Wiese, vom Nebel fast verschluckt
Person steht neben einer Kuh im Nebel und streichelt sie
Knorriger, verwitterter Baumstumpf auf einer Wiese im dichten Nebel

Gut zu wissen

  • Bei Sonne lohnt sich die Fahrt nur halb. Nebel ist hier ausdrücklich das Ziel
  • Die Webcams und Wettermodelle für die Nordwesthälfte vorher anschauen
  • Nicht auf den Bäumen herumklettern, viele sind mehrere hundert Jahre alt

Eingepackt

  • Jacke, auf 1.150 Metern ist es auch im Oktober kühl
  • Feste Schuhe, die Wiese ist meistens nass

Madalena do Mar

10. Oktober 2024 · Madalena do Mar

Etappe 11 von 11 · Anreise per Auto, 40 Min.

Von Fanal ging es an die Südwestküste hinunter nach Madalena do Mar, wo der ganze Hang oberhalb des Ortes aus Bananenterrassen besteht.

Dort steht ein kleines Bananenmuseum, das wir vorher belächelt und hinterher weiterempfohlen haben: Man bekommt die verschiedenen Sorten der Insel zu sehen und darf probieren, und die madeirische Banane schmeckt tatsächlich anders als die aus dem Supermarkt. Danach sind wir noch den Bananenweg durch die Terrassen darüber gelaufen.

Kunstinstallation mit vielen kleinen Bananenstücken, farbig beleuchtet in einem Raster angeordnet
Person geht auf einem schmalen, von Wasser durchflossenen Weg zwischen hohen Bananenstauden

Als Abschluss einer Woche voller Berge, Levadas und Küstenpfade war das genau die richtige Größenordnung.

Der Abend gehörte dann wieder der Zona Velha – zum letzten Mal, und zum letzten Mal mit Clara und Luca, die zwei Stunden später ihren Mietwagen abgeben und zum Flughafen mussten. Es ist an diesem Abend wieder etwas später geworden als geplant.

Bewertung: 4 von 5

Ein halbstündiger Spaß, den man vorher belächelt und hinterher weiterempfiehlt.

Wann
10. Oktober 2024
Start
14:06 Uhr
Dauer
45 Min.

Madalena do Mar liegt an der Südwestküste, und der ganze Hang oberhalb des Ortes besteht aus Bananenterrassen. Dass es dort ein Bananenmuseum gibt, ist also weniger kurios, als es zunächst klingt.

Es ist klein, es dauert keine Stunde, und es war deutlich interessanter als erwartet. Man bekommt die verschiedenen Sorten der Insel zu sehen und darf auch etwas davon probieren – und die madeirische Banane schmeckt tatsächlich anders als die, die bei uns im Regal liegt: kleiner, süßer, fester. Zentrales Ausstellungsstück ist eine mit grauem Klebeband an die Wand geklebte Banane, laut Texttafel eine Anspielung auf Maurizio Cattelans „Comedian“. Im Innenhof läuft außerdem eine Ente frei herum.

Wir haben das an den letzten vollen Tag gehängt, zusammen mit dem Bananenweg oberhalb des Ortes. Als Kontrastprogramm zu einer Woche Berge und Levadas war das genau richtig.

Eine mit grauem Klebeband an eine weiße Wand geklebte Banane, daneben eine erklärende Texttafel
Ausstellungstafel mit der Überschrift „Did you know that...“ vor einer Bananenstauden-Kulisse
Weiß-schwarze Ente ruht auf dem gepflasterten Innenhof des Museumsgeländes

Gut zu wissen

  • Passt gut mit dem Bananenweg oberhalb des Ortes zu einem Nachmittag zusammen
  • Probieren gehört dazu – die Inselbanane schmeckt anders als die aus dem Supermarkt
Bewertung: 4 von 5
Wann
10. Oktober 2024
Start
14:35 Uhr
Dauer
1 Std.
Schwierigkeit
Leicht

Oberhalb von Madalena do Mar ziehen sich die Bananenterrassen den Hang hinauf, und zwischen ihnen führt ein Weg entlang, der gut eine Stunde dauert.

Direkt nach dem Bananenmuseum ist das die passende Reihenfolge: Erst sieht man die Sorten in der Vitrine, dann steht man zwischen den Pflanzen. Bananen wachsen nicht an Bäumen, sondern an riesigen Stauden, und die Stauden tragen genau einmal – das sieht man an den Terrassen, auf denen gleichzeitig geerntet und neu gepflanzt wird.

Der Blick geht dabei durchgehend hinunter auf die Südwestküste. Am Weg steht ein unbemannter Obststand mit handgeschriebenen Schildern, eines davon mit einem Scherz über ein „Disneyland“. Nach den langen Tagen davor war das eher Spaziergang als Wanderung, und genau das sollte es an diesem Nachmittag auch sein.

Person geht auf einem schmalen, von einem Wasserkanal begleiteten Weg zwischen Bananenstauden
Blick von den Bananenterrassen hinunter auf rote Hausdächer und das Meer
Person steht auf dem Plantagenweg unter einer großen, noch grünen Bananentraube

Gut zu wissen

  • Direkt nach dem Bananenmuseum gehen, dann weiß man, was da wächst
  • Kaum Schatten, an einem sonnigen Nachmittag entsprechend warm
Alle Einträge