Venedig
Etappe 1 von 2 · Anreise per Flug
Unsere Basis lag nicht in Venedig, sondern in Mestre auf dem Festland. Das war eine reine Kostenentscheidung, und es hat den Ablauf jedes Tages bestimmt: morgens mit dem Bus über den Damm in die Stadt, abends wieder zurück. Auf den Fotos sieht man das noch – jeder einzelne Tag beginnt und endet am selben Punkt am westlichen Rand der Insel.
In der Stadt selbst waren wir fast ausschließlich zu Fuß und mit dem Boot unterwegs. Etwas anderes gibt es auch nicht: In Venedig ist das Boot das, was anderswo der Bus ist.
Die fünf Tage haben sich von selbst aufgeteilt. Der Ankunftstag gehörte den Gassen, der zweite dem Wasser, der dritte den nördlichen Inseln Burano und Murano, der vierte der Giudecca, einem Zwischenstopp auf San Servolo und dem Strand am Lido. Am fünften ging es mit der Bahn nach Verona.
Rückblickend ist die Mischung genau das, was den Aufenthalt getragen hat. Wären wir fünf Tage nur zwischen San Marco und Rialto gelaufen, wäre es zu viel des Gleichen geworden. So hatten wir jeden Tag ein anderes Venedig.
a&o Venedig Mestre
Unterkunft
- Art
- Hotel
- Wann
- 13. – 18. August 2019
- Nächte
- 5
- Zimmer
- Doppelzimmer
Wir haben den kompletten Aufenthalt hier gewohnt. Das a&o liegt in Mestre, dem Festlandteil von Venedig, und ist genau das, was man von der Kette erwartet: solide, sauber, ohne Anspruch darauf, mehr zu sein als eine Unterkunft.
Für uns war das genau richtig. Wir waren beide noch in Ausbildung und Studium, und der Preis war das Argument, das die Reise überhaupt möglich gemacht hat. Ein eigenes Zimmer statt eines Mehrbettzimmers, Frühstück inklusive, mehr brauchten wir nicht – tagsüber waren wir ohnehin draußen.
Der Preis dafür ist das Pendeln: Jeden Morgen mit dem Bus über die Brücke, jeden Abend zurück. Das klingt lästiger, als es war. Nach vier Tagen kennt man den Weg, und die Fahrt über den Damm mit der Lagune links und rechts ist selbst schon ein kleines Erlebnis.
Hat uns gefallen
- Deutlich günstiger als jede Nacht auf der Insel
- Eigenes Zimmer statt Mehrbettzimmer
- Frühstück inklusive
- Bus in die Altstadt direkt vor der Tür
Weniger gut
- Nichts Besonderes, reine Zweckunterkunft
- Man muss jeden Morgen und jeden Abend hin und zurück pendeln
WLAN · Frühstück
Der erste Abend in den Gassen
Aktivität
Der beste Weg, Venedig kennenzulernen, ist der, bei dem man sich absichtlich verläuft.
- Wann
- 13. August 2019
- Start
- 16:50 Uhr
- Dauer
- 4,5 Std.
Wir sind am späten Nachmittag angekommen und haben genau das gemacht, was man am ersten Tag in Italien macht: erst mal eine Pizza essen. Danach sind wir einfach losgelaufen.
Kein Plan, keine Liste, keine Reihenfolge – nur durch die Gassen, über die Brücken, hier und da ein Kaffee. Venedig funktioniert genau so am besten: Der Weg vom Bahnhof Richtung Rialto ist voll, aber sobald man zweimal abbiegt, steht man in einer Gasse, in der außer einer Katze niemand ist.
An diesem Abend haben wir auch das Calippo Lime entdeckt, das es in Deutschland damals noch nicht gab. Das hat sich für den Rest der Reise gehalten – es gab danach ungefähr jeden Tag eins.
Ausklingen lassen haben wir den Abend an einem Steg am Wasser, mit heruntergelassenen Beinen und ohne irgendetwas vorzuhaben. Rückblickend war das der Moment, in dem der Urlaub angefangen hat.
Gut zu wissen
- Am Ankunftstag nichts vornehmen – einmal ziellos loslaufen reicht völlig
- Zwei Gassen neben dem Hauptweg ist es sofort ruhig
- Den Abend an einem Steg am Wasser ausklingen lassen, das kostet nichts
Bootstour durch die Kanäle
Aktivität
Die eine Sache, die wir jedem weiterempfehlen würden, der zum ersten Mal in Venedig ist.
- Wann
- 14. August 2019
- Start
- 12:30 Uhr
- Dauer
- 1,5 Std.
Am zweiten Tag sind wir aufs Boot gestiegen – ein kleines Motorboot, das nicht nur den Canal Grande abfährt, sondern durch die schmalen Wasserstraßen zwischen den Häusern.
Das ist der Punkt, an dem Venedig Sinn ergibt. Vom Ufer aus sieht man Fassaden. Vom Wasser aus sieht man, dass diese Fassaden Eingänge sind: Türschwellen, die direkt in den Kanal führen, Lieferboote, die Getränkekisten abladen, Treppen, die unter der Wasserlinie verschwinden. Die Stadt ist von hier aus gedacht worden, nicht von der Gasse.
Die Fahrt ging anschließend hinaus ins offene Becken und weiter Richtung Lido, vorbei an der Punta della Dogana und der Silhouette von San Marco. Nach anderthalb Stunden hatten wir eine bessere Vorstellung von der Stadt als nach dem gesamten Vortag zu Fuß.
Am Abend waren wir dann noch einmal an der Piazza San Marco und zum Ausklang an der Rialtobrücke.
Gut zu wissen
- Früh am Tag fahren, dann ist das Licht in den engen Kanälen noch nicht weg
- Nicht nur den Canal Grande buchen – die kleinen Seitenkanäle sind das Interessante
- Vorne sitzen, wenn möglich
Ein Tag auf Burano
Aktivität
Kein Museum, keine Sehenswürdigkeit, keine Warteschlange – und trotzdem der stärkste Tag der Reise.
- Wann
- 15. August 2019
- Start
- 12:15 Uhr
- Dauer
- 5 Std.
Der dritte Tag gehörte der nördlichen Lagune. Abgelegt haben wir an den Fondamente Nove, der Anlegestelle an der Nordseite Venedigs, von der aus die Boote zu den Inseln fahren.
Angekommen sind wir zuerst auf Mazzorbo, das über eine hölzerne Brücke mit Burano verbunden ist – man läuft hinüber, ohne es zu merken. Und dann steht man in dieser Kulisse: Häuserzeilen an schmalen Kanälen, jedes Haus in einer anderen Farbe, kräftiges Rot neben Türkis neben Gelb, ohne erkennbare Ordnung.
Wir sind über drei Stunden geblieben. Nicht weil es so viel zu sehen gäbe – Burano ist klein –, sondern weil es keinen Grund gab zu gehen. Ein paar Fotos, ein bisschen Blödsinn, immer wieder stehen bleiben, weil um die nächste Ecke schon wieder eine andere Farbkombination wartet.
Von allem, was wir in diesen fünf Tagen gesehen haben, ist Burano das, was am deutlichsten geblieben ist.
Gut zu wissen
- Ab Fondamente Nove ablegen, von dort geht es in die nördliche Lagune
- Zeit mitbringen – eine Stunde reicht nicht, wir waren über drei da
- Auf dem Rückweg Murano mitnehmen, das liegt ohnehin auf dem Weg
Zwischenstopp auf Murano
Aktivität
- Wann
- 15. August 2019
- Start
- 17:25 Uhr
Murano liegt auf dem Rückweg von Burano nach Venedig, und weil das Boot dort ohnehin hält, sind wir am späten Nachmittag noch einmal ausgestiegen.
Viel ist daraus nicht geworden. Nach über drei Stunden auf Burano war die Aufnahmefähigkeit aufgebraucht – wir haben uns kurz umgesehen und sind weitergefahren.
Das ist rückblickend der eine Punkt, den wir anders machen würden: Murano ist seit dem 13. Jahrhundert das Zentrum der venezianischen Glasherstellung und hätte einen eigenen halben Tag verdient, statt als Anhängsel am Ende eines langen Inseltages zu stehen.
Gut zu wissen
- Nicht ans Ende eines langen Tages legen, dafür ist die Insel zu schade
- Wer die Glasbläserei sehen will, sollte den Besuch getrennt planen
Vormittag auf der Giudecca
Aktivität
Zehn Bootsminuten von San Marco entfernt und trotzdem eine völlig andere Stadt.
- Wann
- 16. August 2019
- Start
- 10:40 Uhr
- Dauer
- 1 Std.
Die Giudecca ist der langgezogene Inselstreifen südlich der Altstadt, vom Rest Venedigs durch einen breiten Kanal getrennt. Genau diese Trennung macht sie aus: Die Boote halten hier, aber die meisten Leute fahren vorbei.
Wir waren am Vormittag des vierten Tages drüben, und der Unterschied ist deutlich. Keine Menschenströme, keine Souvenirstände, dafür Wäscheleinen, Kinder und Leute, die einfach hier wohnen.
Der eigentliche Grund hierherzukommen ist aber der Blick zurück: Von der Nordseite der Giudecca liegt die komplette Silhouette der Altstadt gegenüber, über die ganze Breite des Kanals hinweg. Von innen bekommt man Venedig nie so zu sehen.
Gut zu wissen
- Der Blick zurück auf die Altstadt ist von hier aus der beste der ganzen Stadt
- Gut für einen Vormittag, an dem man keine Lust auf Gedränge hat
Abstecher nach San Servolo
Aktivität
- Wann
- 16. August 2019
- Start
- 16:15 Uhr
- Dauer
- 30 Min.
Auf dem Weg zum Lido sind wir auf San Servolo ausgestiegen, einer kleinen Insel im südlichen Becken der Lagune. Wir sind eine gute halbe Stunde geblieben und über das Gelände gelaufen.
In Erinnerung geblieben war uns die Insel als ehemaliges Gefängnis – das stimmt so nicht ganz, trifft die Stimmung aber. Von 1725 an stand hier ein Krankenhaus für psychisch Kranke, das später zur zentralen Anstalt der Region wurde und erst 1978 geschlossen hat, als Italien seine psychiatrischen Anstalten per Gesetz auflöste. Wer über den Hof geht, merkt der Anlage das an: großzügig, ruhig und trotzdem in sich geschlossen.
Heute sitzt auf der Insel eine internationale Universität. Aus dem, was einmal Verwahrung war, ist ein Campus geworden.
Gut zu wissen
- Liegt auf dem Weg zwischen Altstadt und Lido, passt gut als Zwischenstopp
- Für mehr als einen kurzen Rundgang sollte man den Besuch vorher planen
Abend am Strand vom Lido
Aktivität
Der Tag, an dem wir aufgehört haben, Venedig abzuarbeiten, und angefangen haben, Urlaub zu machen.
- Wann
- 16. August 2019
- Start
- 17:45 Uhr
- Dauer
- 3 Std.
Nach dem Vormittag auf der Giudecca sind wir am Nachmittag hinaus zum Lido gefahren, der schmalen Insel zwischen Lagune und offener Adria. Dort gibt es das, was Venedig selbst nicht hat: einen richtigen Sandstrand.
Und dann haben wir drei Stunden lang nichts gemacht. Im Sand gesessen, ins Wasser gegangen, Handstände geübt – mit mäßigem Erfolg, aber mit erheblichem Spaß. Kein Museum, keine Warteschlange, keine Sehenswürdigkeit, die man abhaken müsste.
Als es dunkel wurde, sind wir zurück in die Stadt und haben uns wieder mit einer Pizza ans Wasser gesetzt. Es war der zweite Abend dieser Art auf der Reise, und beide Male war es der beste Teil des Tages.
Wer nach Venedig fährt, plant meistens Kirchen, Museen und Brücken ein. Der Lido steht auf keiner dieser Listen – und war für uns trotzdem einer der Höhepunkte.
Gut zu wissen
- Erst am späten Nachmittag hinfahren, dann wird es leerer und das Licht besser
- Das letzte Boot zurück im Blick behalten
- Kein Programm einplanen – genau das ist der Punkt
Eingepackt
- Handtuch
- Badesachen
- etwas zu trinken