Max & Rebecca

Inka Trail

Bewertung: 5 von 5

Teuer, hart, ohne Dusche – und rückblickend jeden einzelnen Euro wert.

Max und Rebecca stehen auf einer Terrasse oberhalb von Machu Picchu, hinter ihnen die Ruinenstadt und der Huayna Picchu unter wolkenlosem Himmel

Der Inka Trail nach Machu Picchu war ohne Frage das absolute Highlight unserer Peru-Reise – vier Tage Wandern, 42 Kilometer zu Fuß, kein Netz, dafür Wolken, mystische Ruinen und jede Menge Höhenmeter. Vier Tage, die sich gleichzeitig endlos und viel zu kurz angefühlt haben.

Allein der Preis hatte es in sich: Rund 800 Euro pro Person haben wir für die Tour bezahlt, dazu kamen Schlafsäcke, Luftmatratzen und das Trinkgeld für Köche und Träger – insgesamt sollte man also mit etwa 900 bis 1.000 Euro pro Person rechnen. Günstig ist das nicht, aber rückblickend war es jeden einzelnen Euro wert.

Wir haben uns für den Anbieter TreXperience entschieden und können ihn wirklich wärmstens empfehlen. Schon am Vorabend wurden wir zu einem ausführlichen Briefing eingeladen: wann es losgeht, wie viel Gepäck erlaubt ist, wo unser restliches Gepäck in Cusco gelagert wird und welche Ausrüstung sinnvoll ist. Außerdem konnten wir Wanderstöcke oder Schlafsäcke zubuchen und bekamen unsere Duffle Bags ausgehändigt – maximal 7 kg, dazu jeweils der eigene Rucksack.

Bei dieser Vorabendrunde lernten wir auch unsere Mitreisenden kennen. Wir waren insgesamt 14 Personen, eine erstaunlich bunte und internationale Gruppe: eine amerikanische Familie mit zwei Teenagern, ein Paar aus Spanien, ein Vater mit seiner Tochter, vier alleinreisende Frauen aus Kanada, England, Russland und der Schweiz sowie ein Alleinreisender aus Frankreich. Unsere Hauptguide war eine mittelalte Frau, die das großartig gemacht hat – souverän, herzlich und unglaublich kompetent, unterstützt von einem jüngeren Nebenguide.

Beim Infoabend erfuhren wir außerdem, dass wir Machu Picchu bereits am Ende des dritten Tages erreichen würden. Aufgrund ungewöhnlich starker Regenfälle im Februar war die geplante dritte Campsite nicht nutzbar. Erst fanden wir das schade, weil wir uns die letzte Nacht mitten in den Bergen vorgestellt hatten. Wie sich später herausstellte, hatte die Änderung durchaus ihre Vorteile.

Tag 1 – Der Beginn des Abenteuers

Der erste Tag startete brutal früh: Um 4 Uhr morgens wurden wir am Hotel abgeholt. Noch halb verschlafen ging es im Bus etwa 2,5 Stunden Richtung Kilometer 82, dem Dorf Piscacucho und offiziellen Startpunkt. Unterwegs stoppten wir in Ollantaytambo für ein Frühstück und letzte Besorgungen.

Gegen halb zehn erreichten wir den Trailhead, trafen unser Team aus Köchen und Portern und bekamen eine letzte Einweisung. Am roten Schild „Camino Inka – Inka Trail, Rutas 01 y 02“ gab es das obligatorische Gruppenfoto, mit den beiden Guides waren wir 16 Leute. Dann passierten wir den Checkpoint – Reisepass vorzeigen nicht vergessen – und setzten den ersten Fuß auf den Weg zur verlorenen Stadt der Inka.

Die Wandergruppe mit Wanderstöcken in einer Reihe vor dem roten Schild „Camino Inka – Inka Trail“, dahinter steile Felswände unter blauem Himmel
Die ganze Gruppe am Startpunkt.

Die erste Etappe war mit etwa drei Stunden vergleichsweise sanft. Wir liefen an kleinen Dörfern vorbei und erreichten die archäologische Stätte Llactapata, mit wunderschönen Ausblicken auf Patallacta und Willkaraqay. Nach einer weiteren Stunde erreichten wir Hatunchaca, wo unsere Köche ein frisch zubereitetes Mittagessen servierten – Suppe, Hauptgang, Tee, besser als so manches Restaurant.

Max und Rebecca mit Wanderstöcken an einem Aussichtspunkt, hinter ihnen im Tal ausgedehnte Inka-Terrassen und ein hoher Bergrücken unter Wolken

Gestärkt wanderten wir noch etwa zwei Stunden bis zu unserem ersten Camp in Ayapata. Den Weg teilten wir uns den ganzen Tag mit Maultieren, Eseln und Pferden, die bunt verschnürte Lasten schleppten. An einem Holzschild war das Höhenprofil des gesamten Trails aufgezeichnet, und gegen halb fünf begrüßte uns das Schild von Wayllabamba. Gegen 17 Uhr kamen wir an, die Zelte waren bereits aufgebaut, und wir wurden mit Tee, Popcorn, Kaffee und Keksen empfangen.

In Zahlen: 14 Kilometer, rund 6 Stunden Gehzeit, maximale Höhe 3.300 m. Offiziell gilt der Tag als moderat. Für uns fühlte er sich fast so anstrengend an wie Tag zwei – vor allem wegen der extremen Sonne und Hitze.

Tag 2 – Der Tag, vor dem uns alle gewarnt haben

Heute wird der härteste Tag. Diesen Satz haben wir am Vorabend mehr als einmal gehört. Und spätestens als uns einer aus unserer Gruppe erzählte, der den Trail vor 30 Jahren schon einmal allein gewandert war, dass er damals am zweiten Tag vor Erschöpfung geweint hat, wussten wir: Das wird kein Spaziergang.

Der Morgen begann immerhin komfortabel: Noch vor Sonnenaufgang, um 04:30 Uhr, brachte uns unser Guide heißen Coca-Tee direkt ans Zelt. An diesem Vormittag hatten wir außerdem die letzten normalen Toiletten auf dem Weg. TreXperience hatte ein Toilettenzelt dabei, danach waren es oft nur noch Löcher im Boden. Und Duschen? Fehlanzeige. Umso besser, dass wir Feuchttücher dabeihatten.

Nach dem Frühstück ging es direkt los – vier Stunden bergauf bis zum Dead Womans Pass auf 4.215 Metern, dem höchsten Punkt des gesamten Trails. Die Sonne hatte sich zurückgezogen, es war wolkig und deutlich kühler als am Vortag, aber das machte die Sache nicht leichter.

Die Höhenmeter hatten es in sich. Und vor allem diese Stufen: teilweise extrem hoch, ungleichmäßig, scheinbar endlos. Jeder Schritt brannte in den Oberschenkeln, der Atem wurde kürzer, das Tempo langsamer. Man läuft, schaut nach oben – und sieht noch mehr Treppen. Oben angekommen wurden wir belohnt. Ein Moment irgendwo zwischen Erschöpfung, Ehrfurcht und Stolz. Kurz nach zehn standen wir am Schild „Abra Warmiwañusca“, dem offiziellen Namen des Passes. Der Himmel war grau, und Rebecca hatte sich mit Stirnband und Schal gegen die Kälte eingepackt.

Max und Rebecca stehen links und rechts vom Schild „Abra Warmiwañusca“ auf dem Pass, dahinter ein wolkenverhangener Felsgipfel
Oben. 4.215 Meter.

Doch damit war der Tag noch lange nicht vorbei. Nach zwei Stunden Abstieg ins Pacaymayo Alto Valley wartete das Mittagessen – dringend nötig, die Beine fühlten sich an wie Pudding. Danach folgte der zweite Anstieg zum Runkuraqay-Pass auf 4.000 Metern. Unterwegs erkundeten wir die Inka-Stätten Runkuraqay und Sayacmarca, die spektakulär in den Berghängen liegen.

Die letzten 30 bis 60 Minuten hatten es nochmal anders in sich: Plötzlich zog dichter Nebel auf, die Sicht wurde schlechter, und schließlich begann es zu regnen. Die ohnehin rutschigen Steinstufen wurden glatt, alles wirkte mystisch und ein bisschen surreal. Die Berge verschwanden im Grau, Geräusche wurden gedämpft – nur noch das Prasseln auf den Regenjacken und das konzentrierte Setzen jedes einzelnen Schrittes.

Max und Rebecca in blauen Regenponchos zwischen Inka-Mauern aus grauem Stein, dahinter nur Nebel
Regenponchos statt Aussicht.

Als wir unser zweites Camp in Chaquicocha auf 3.600 Metern erreichten, waren wir durchnässt, müde und ehrlich gesagt ziemlich am Limit. 16 Kilometer, rund 10 Stunden, maximale Höhe 4.215 Meter. Der Regen blieb die ganze Nacht.

Niemand von uns hat geweint. Aber wir konnten plötzlich sehr gut verstehen, warum man es hätte tun können.

Tag 3 – Unser schönster Tag

Auch der dritte Tag startete um 04:30 Uhr. Wir hörten den Regen die ganze Nacht; als wir aufstehen mussten, wurde er glücklicherweise weniger. Trotzdem taten uns die Porter leid – die Zelte waren durch den Regen noch schwerer geworden.

An diesem Morgen gab es eine besondere Vorstellungsrunde mit unserem gesamten Team aus Portern und Köchen. Insgesamt etwa 22 Männer, sehr unterschiedlichen Alters und aus verschiedenen Regionen des Landes. Der Älteste war über 70. Jeder stellte sich kurz vor, und wir konnten uns persönlich bedanken. Wenn man weiß, dass sie rund 20 Kilogramm tragen, manche in einfachen Sandalen, bekommt man eine ganz andere Demut. Sie haben uns auf dem Trail ständig überholt, scheinbar mühelos, und jedes Mal haben wir ihnen zugejubelt. Ohne sie wäre dieses Erlebnis nicht möglich gewesen.

Der Weg führte durch völlig unterschiedliche Landschaften: mystischer Nebelwald, moosbewachsene Bäume, üppige Vegetation, und immer wieder öffneten sich spektakuläre Panoramen. Gegen 7:40 Uhr führte der Pfad durch einen Durchgang im Fels, fast ein kleiner Tunnel, und ab etwa 8 Uhr liefen wir über den Wolken, die unter uns in den Tälern hingen. Besonders beeindruckend war der Blick auf den Salkantay. Unterwegs besichtigten wir zwei Inka-Stätten: Phuyupatamarca, die Stadt in den Wolken, mit Blick ins Urubamba-Tal, sowie Intipata, die Terrassen der Sonne – perfekt angelegte Terrassen in sattgrünen Berghängen, fast surreal.

Max und Rebecca mit Sonnenbrillen auf einem Grat, hinter ihnen quellen Wolken aus den Tälern zwischen dunklen Bergen
Rebecca lächelt im Essenszelt, vor ihr ein Teller Suppe auf blauer Tischdecke, draußen Bäume und Berge
Mittagessen auf dem Inka Trail, gekocht von unserem Team.

Eigentlich hätte hier der klassische dritte Tag geendet. Mittags saßen wir am Camp im Essenszelt, wieder mit einer heißen Suppe vor uns. Doch für uns ging es weiter. Nach ewig langen Treppen abwärts begann der letzte Aufstieg: etwa eine Stunde bis zum Sonnentor Intipunku. Die Stufen waren an einer Stelle so steil, dass wir auf allen vieren klettern mussten. Aber genau im richtigen Moment schienen auf den letzten Stufen Sonnenstrahlen durch das Tor. Und dann war er da, gegen zehn nach drei: der erste Blick auf Machu Picchu, in der Nachmittagssonne, zwischen einzelnen Wolken, in saftigem Grün. Selbst nach drei intensiven Wandertagen war dieser Moment pure Gänsehaut.

Rebecca sitzt von hinten gesehen auf einem Felsen und schaut über das Tal auf die ferne Ruinenstadt Machu Picchu im Nachmittagslicht

Vom Sonnentor stiegen wir langsam weiter hinab und folgten dem oberen Panoramaweg für die ikonischen Postkartenblicke. Ab halb fünf standen wir auf einer Terrasse direkt über der Ruinenstadt, Rebecca in einem bunten Poncho, und sahen zu, wie um zehn vor fünf die Sonne hinter dem Bergkamm verschwand. Es wurde dunkel, wir stiegen ab und fuhren mit dem Bus zur Campsite am Fuße von Machu Picchu.

Die Ruinenstadt Machu Picchu mit grünen Plätzen und Terrassen, dahinter der Huayna Picchu im warmen Licht

In Zahlen: 16 Kilometer, rund 8 Stunden, höchster Punkt etwa 3.600 Meter.

Tag 4 – Ein zweites Mal Machu Picchu

Am vierten Tag durften wir tatsächlich etwas länger schlafen, bis etwa 7 Uhr. Kein Weckerklingeln um 4, kein Zusammenpacken im Halbdunkel, stattdessen ein gemütliches Frühstück. Und an dieser Stelle nochmal: Alle Mahlzeiten während der gesamten Tour waren durchgehend hervorragend.

Anschließend machten wir uns früh auf den Weg zum Haupteingang. Nach dem Check-in erkundeten wir die Anlage mit unserem Guide – Tempel, Paläste, Wasserbecken und astronomische Beobachtungspunkte. Auf den Terrassen grasten Lamas, als gehörte ihnen der Laden. Die optionale Besteigung des Huayna Picchu haben wir nicht gemacht; unsere Beine hatten genug Höhenmeter gesammelt.

Was diesen Tag besonders machte, war das Wetter: strahlend blauer Himmel, Sonne, perfekte Sicht. Und genau hier zeigte sich der Vorteil unserer angepassten Variante – wir hatten zweimal die Chance, Machu Picchu zu sehen. Einmal am Vorabend in der warmen Abendsonne, fast mystisch und mit weniger Trubel, und einmal am nächsten Morgen, klar und sonnendurchflutet. Viele wandern den gesamten Trail und sehen am Ende wegen des Nebelwaldes kaum etwas. Wir hatten schlichtweg zweimal Glück.

Nach der Führung fuhren wir hinunter nach Aguas Calientes, aßen Mittag und schlenderten durch die kleine Stadt – über die Brücke am Fluss und zum Platz mit der Statue und dem großen „Machupicchu Pueblo“-Schriftzug. Am Nachmittag nahmen wir den Panoramazug Vistadome zurück Richtung Cusco. Online wird diese Fahrt oft als Highlight beschrieben – ehrlich gesagt hatten wir uns mehr erwartet. Bei uns war der Zug im Preis inkludiert, separat gebucht ist er recht teuer und aus unserer Sicht den Preis nicht wert. Überraschend unterhaltsam war allerdings die kleine Modenschau mitten während der Fahrt: Die Bahnbegleiter präsentierten Alpaka-Mode wie auf einem Catwalk durch den Zug, einer trug sogar eine auffällige Maske: ein Teufelsgesicht mit Hörnern und blonder Perücke, dazu ein rosa besticktes Kostüm. Draußen versank das Heilige Tal derweil in der Abenddämmerung.

Innenraum eines Zugwagens mit Ledersitzen, Tischen und Panoramafenstern bis ins Dach, draußen grüne Berghänge
Vier kleine Häppchen auf gelber Creme, aufgereiht auf einem länglichen Keramikteller auf einem Holztisch
Mittagessen in Aguas Calientes, nach vier Tagen Campküche.

Gegen halb acht abends kamen wir wieder in Cusco an, bekamen unser gelagertes Gepäck zurück und mussten Abschied von unserer Gruppe nehmen. Vier Tage gemeinsam wandern, schwitzen, lachen und kämpfen schweißen zusammen – der Abschied fiel uns wirklich schwer.

Zurück im Hotel wartete das, was wir plötzlich mehr zu schätzen wussten als alles andere: eine warme Dusche und ein bequemes Bett.

Aufgerollte blaue Schlafsäcke und Rucksäcke auf einer Plane im Camp, dahinter ein rosa Zelt und Männer in grünen Jacken beim Zusammenpacken
Max und Rebecca auf gepflastertem Weg vor einem Durchgang im Fels, rundherum Moos und dichter Bergwald
Inka-Anlage mit moosbewachsenen Steinmauern an einem Hang, oben auf den Mauern stehen Wanderer, dahinter Felsen und Nebel
Steile, grasbewachsene Inka-Terrassen mit Stützmauern aus Stein unter bewölktem Himmel

Gut zu wissen

  • Am Vorabend gibt es ein ausführliches Briefing, Duffle Bag maximal 7 kg
  • Reisepass am Checkpoint bereithalten
  • Ab Tag 2 gibt es keine normalen Toiletten mehr und keine Duschen
  • Feuchttücher sind vier Tage lang das Duschersatzprogramm
  • Trinkgeld für Köche und Porter separat einplanen
  • Huayna Picchu muss vorab gebucht werden

Eingepackt

  • lange Sporthosen (mehrere)
  • kurz- und langärmlige Sportshirts
  • Regenjacke und Regencape
  • Wandersocken
  • eingelaufene Wanderschuhe
  • Stirnlampe
  • Reisehandtuch
  • Feuchttücher
  • Sonnencreme
  • faltbare Trinkflaschen

Mehr in Cusco

Übernachtet haben wir in Cusco